Industriegebiet, Segelflugplatz

Industrieschlote als Akteure, Segelflieger als Tänzer, Hasen als Performer, Fläche als Verhandlungstisch – Textwork von Tanja Brandmayr, 2011. Thema dieser Arbeit ist der Segelflugplatz im Linzer Industriegebiet, der beobachtet wird, als wäre er eine performative Installation. Quasi-Readymade, Rauminszenierungsfrage und Theoriefragment. In Koop mit Schwemmland gezeigt im afo, Salzamt, veröffentlicht in treib.gut und dem literarischen Jahrbuch der Stadt Linz, den Facetten.

 

Die Kapitelübersicht:

1. Stichstraße / Einstieg – 2. Die Wetterstation: Surreale Geometrie – 3. Dominanzen im Gebiet – 4. Die Grundwasser-Korrektur als erste Dramatisierung des Raumes – 5. Fläche als Verhandlungstisch (Einsprengsel Theorie-Schwemmland) – 6. Der Hase im Flieger – 7. Poesie und echte Industrieromantik-Empfehlung (Einsprengsel Kritik-Schwemmland).

Sackgasse und Zugang zum Gebiet, TanjaB

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Stichstraße / Einstieg

Dienstag, 16. August. Ich beginne in der Estermannstraße, die zum Segelflugplatz führt. Und stelle fest, dass sich hier alles sehr pragmatisch nach Zweck und Nutzen inszeniert. Es scheint hier alles versteckt, nichts direkt vermutet, nicht auffällig nach draußen gerichtet, höchstens angeschrieben: In einer aufgeschichteten Komplexität von, wenn man so will: unten Kriegsschutt und Müll, oben Bilanz. Ich fahre die Straße von der Industriezeile los, beim Motorsport Competence Center oder Car Center Linz, bei Avanti, Iveco und Ralli Art, passiere Gebrauchtwagen-Dimension und Wüstenrot-KFZ-Schnellzulassung, Logistik, Kabeltechnik und Gartenhilfe, AGM, WIFI, WKO und RUHA, Bandagistenbedarf, Zahnwerkstätte und Linz AG Bestattung, Fresenius Kabi Halle A bis C, Alere, Slupetzky, Pischulti, Hein Gericke Feel the Ride; Culligan, Riegler, Kendrion Binder Magnete, lese immer wieder mal: Privatparkplatz Videoüberwachung, Automatisches Tor Ausfahrt freihalten, Achtung Erdkabel Tiefe 0,9 m. Bei Gasgeruch oder Brand Linz AG – Erdgas Notruf 128 anrufen. Explosionsgefahr! Am Ende der Straße findet sich die ring-Bäckerei-Gönn dir das!-Backshop Direktverkauf-Coffee to go! Ich überschreite die Gleisanlage der Firma Plasser und Theurer, gehe vorbei am Schweißwerk 3 der Bahnbaumaschinen Industriegesellschaft, begutachte die Linz AG Abwasser Schieberanlage S 78 Hauptsammler Mitte (bei Störung Linz AG anrufen) und gelange zur Privatstraße mit Zufahrt nur für Berechtigte. Gerade aus geht es zum Motoryachtklub, bzw. zum Sportboothafen, nach rechts eingebogen führt mein Weg an der Spedition vorbei zur Linz AG Freizeit & Hobbyanlage, wo heute Beach Volleyball gespielt wird. Während rechts Möbel Jumbo, Gebrüder Kühn Neumöbellogistik Umzüge Lagerei, WOI Sped und die Internationale Spedition Linz Austria am Woisetschläger Parkplatz lagern, sind alle Schilder links, am Hang des Qualmwassergrabens, für den Erkenntnisgewinn oder verhaltensregulierend gemeint: OÖ Ferngas Erdgasleitung (Bei Gasgeruch, Gebrechen und Notfällen bitte Tel.nr. sowieso verständigen), Betriebsfremden ist das Betreten der Freizeit- und Hobbyanlage verboten, Mahnung! Schutt, Müll und Gerümpel ablagern strengstens verboten (Magistrat Linz). Wir bitten Sie zum Schutze des Jungwildes ihren Hund anzuleinen! Wir bedanken uns – Ihr Revierbetreuer; und noch einmal, bevor das Flugplatz-Schild kommt (ein durchgestrichenes Männchen: Betreten verboten) eine OÖ Ferngas Erdgasleitung. Am Platz angelangt, der nicht betreten werden darf, fühle ich mich selbst betreten. Doch der Segelflugplatz eröffnet sich in seiner natürlich scheinenden Auwald- und Wiesenweiträumigkeit! Er erscheint selbst als Inszenierung, obwohl ihm paradoxerweise jede Inszenierung fehlt: eine Fläche, die inmitten des industriellen Drucks einen plötzlichen, undefinierten Leerlauf bildet, an dessen Leerschwung sich die Segelflieger in die Höhe schrauben, von der komplexen Aufschichtung von Industrie und Natur angeregt und von der Leichtigkeit der plötzlichen Nicht-Nutzung beflügelt.

Ich zähle im Laufe meiner Anwesenheit sechs Motorsegelflieger in der Luft, sehe vier Starts. Einmal spaziere ich nach einer Landung quer über den Platz, das reicht als Aktion, mit der ich mich als Akteurin in diesem Ding bemerkbar machen will. Eine Minimalinszenierung – in dieser hochregulierten Zone, über die sich lediglich eine dünne Schicht Natur und Freizeit zieht. Beim Rausgehen aus dem Gelände eine plattgewalzte Maus am Schotter. Es fährt ein Zug über die pflanzenbewachsenen Plasser & Theurer Gleise.

 

Ein merkwürdiges Objekt mehr. Foto: Reinhard Winkler

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Die Wetterstation: Surreale Geometrie

Mittwoch, 24. August 2011. Morgenstimmung, sechs Uhr. Ich sehe von weitem ein dichtes Nebelfeld, das flach über dem Flugfeld liegt. Das ist faszinierend, denn der Nebel erstreckt sich kaum in die Höhe, nicht nach vorne zur Straße – ist ausschließlich auf der leeren Grasfläche des Flugfeldes zu sehen, nur einige Meter hoch. Der dichte Morgennebel auf dem Flugfeld unterbricht den Blick auf die Industrie, beziehungsweise erstehen über dem Nebel die Türme und Schlote wie aus dem Nichts. Es ist, als ob der Blickhorizont ausradiert und mit weißer Watte befüllt worden wäre. Ich gehe zum Flugfeld und der Nebel weicht, wie zu erwarten war, aber dann doch erstaunlicherweise vor mir zurück. Drinnen im Feld, also mitten im Nebel, stellt sich die Nebelfläche als eindrückliches Rondeau rund um mich. Als ich weiter ins Feld hineingehe, werde ich anschaulich zu meinem eigenen Mittelpunkt: Egal, wo ich hingehe, egal wo ich stehe, schließt sich der Nebelkreis um mich. Ich bin im Radius von etwa 20 Metern völlig umschlossen. Es entsteht ein eigener Fokus, eine eigene Zentriertheit – eine Ruhe, die in einem irritierenden Zauber einen Spot rund um mich aufmacht. Mitten in der Natur entsteht eine surreale Geometrie, gemacht aus Wasserpartikeln.
Am Abend noch einmal die Dramatik der Natur – der Tag der Wetterstation. Nach einem sehr heißen Sommertag, wird am Flugplatz Wetterleuchten gegeben. Am Himmel wird Blitz um Blitz sichtbar, und trotzdem ist Ruhe (Wind und Donner werden erst später losbrausen). Als ich mir diese Szenerie ansehe, begreife ich den Unterschied von Stille und Ruhe. Während die Stille sich auf das Hören beschränkt, breitet sich Ruhe auf alle Wahrnehmungsebenen aus. Menschenleere im Industriegebiet. Völliger Ruhezustand. Das potentielle Publikum dieses Spektakels hat sich in seine Wohnungen verkrochen.

 

Flugversuch, abheben. Videostill: Christoph Wiesmayr

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Dominanzen im Gebiet

Donnerstag, 18. August. 17 Uhr, Industriezeile. Ich biege in die Pummererstraße. Es ist erstaunlich, dass die Anlage der Linz AG – Strom wirklich von jedem Blickwinkel im Hafen- und Industriegebiet die dominante Kulisse bildet – heute durchaus schaurig-schön mit einem dramatischen Wolkenaufbau im Hintergrund. Andererseits bietet sie auch von überall Orientierung in diesem archaischen Raum des Kleingewerbes, in diesem kleinteiligen Mess. Das Gebiet hier funktioniert, prosperiert, scheint in ständigem Wandel zu sein, wird ständig umgeschichtet. Unerwartet wirkt es für mich aufgeräumt und klar.

Es geht Richtung sechs Uhr, Arbeitsende, ein paar Leute gehen auf der Straße. Ein Mann mit Bierdose in der Hand will seiner Freundin ein wenig Wasser vom Hydranten herunterlassen: Sie bleibt plötzlich wie erstarrt stehen und richtet ihren Blick in den Himmel, als ob ihr gerade der Gedanke ihres Lebens gekommen sei. Ein paar Typen im Anzug gehen an mir vorbei. Sie bleiben nicht im Wartehäuschen der Bushaltestelle mit Namen „Fa. Plasser“ stehen, sondern gehen zu Fuß die Straße runter. Auf einem Firmenparkplatz wird gegrillt. Ich lese von Produkten und Erzeugnissen wie Linzer Kraftfutter, Saunamanufaktur. Am Ende der Straße überquere ich die Schienen, fahre weiter.

Am Flugplatz ausdauerndes Fliegen, Start, Start, Start, mir kommt vor, ein Flug geht auch über das Stadtzentrum, zumindest in diese Richtung. Der Flugplatz ist wie immer ein ganz eigener Raum.

Was ist das hier, … … – der Hafen als Umschlagplatz, das Industriegebiet ein Produktionsort, die Linz AG als Generalversorger von der Wärme bis zur Bestattung. Welche Geschichte erzählt die Donau und ihre Regulierung hier? Ein Greifvogel überfliegt den Flugplatz. … welche Geschichte erzählt das Fliegen – von Tieren und Flugzeugen? Welche Geschichten erzählt der Segelflugplatz, der hier seit den 70er Jahren, seit dem Bau der Staustufe Abwinden-Asten beheimatet ist? Welche Geschichte erzählt der Flugplatz selbst? Erzählt sich, wenn ein Flieger vor der Voest-Silhouette startet, schon der geplante Flughafen der Nationalsozialisten hier? Auch wenn es nur ein Segelflieger ist?

Bei der Heimfahrt sehe ich den Beginn der Verlandungsarbeiten des ersten Hafenbeckens. Im nächsten Hafenbecken, wie der Verlandung zum Trotz, übt ein Ruderer-Vierer seinen Start. Wann ist die Hafentour heute zu Ende? Für mich endet sie heute am Pfarrplatz, als ich die bereits aufgebaute Volksmusikbühne des Krone-Festes sehe – sie wird von einem Banner der Linz AG Strom umrahmt. Die omnipräsente Linz AG. Ich stelle fest, was offensichtlich ist: Nicht nur die Meinungsmache, auch die Grundversorgung wird im Zentrum kräftig inszeniert.

 

Connecting. Videostill: Pamela Neuwirth

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Die Grundwasser-Korrektur als erste Dramatisierung des Raumes

7. Juli, Nachmittag. Schwüle Hitze. Beschwerliches Stöhnen meines Begleiters während des Spaziergangs. Ihn erinnert das alles an das heiße Griechenland, „wenn du auf dem Weg bist, irgendwoher Essen zu besorgen“. Ganz zu diesem Urlaubsfeeling passend, sonnt sich ein paar Meter weiter ein nackter Mann im hohen Gras neben dem Flugstreifen. Er hat es sich auf einer Liege bequem gemacht, pflegt die Freikörperkultur. Auf der Flugbahn selbst wird ein Segelflieger am Seil hochgezogen. Wir sehen dem Flieger zu, bis er aus unserem Sichtfeld verschwindet, gehen weiter und widmen uns der Natur am Wegrand: Viele Pappeln, inmitten des Gestrüpps ein wilder Kirschbaum, Essigbäume, Nussbäume, Büsche, Gräser, wuchernde Stauden. Viele Pflanzen, die ich nicht kenne oder benennen kann. Sieht wie Au aus, ist aber nur falsche Au, Quasi-Au, korrekterweise Sukzessivwald. Macht nichts, denn die Natur zieht in die Leerflächen wieder ein, bildet im Notfall eine Au nach. Denn dort, wo wirkliche Au, wirkliches Schwemmland war, ist von Schwemmland nichts weiter übrig: Die Donau ist durch eine unterirdische Mauer entlang des Dammes vom Grundwasserspiegel getrennt. Vorne steigen wir ins Gebüsch ein und überqueren den Qualmwassergraben. Dort, wo die Anzeichen der Regulierung, der Durchrationalisierung des ganzen Gebietes sichtbar werden. Dort, wo es offensichtlich ist, dass der Begriff „Natur“ nicht ganz das sein kann, was man sich so allgemein darunter vorstellt – nämlich die Natur als was ganz eigenes, ganz in sich abgeschlossenes, ganz systemisch abgetrennt von menschlichem Treiben. Es ist vielmehr so, dass die Natur immer trotzdem da ist, auch trotz massiver Eingriffe sich großzügig ausbreitet, wenn das nur irgendwie geht. Wir bleiben kurz auf der Mauer stehen, unter der eine Kühlwasserpipeline geführt wird, wo sich Qualmwasser und Kühlwasser kreuzen, und blicken in den Zauberwassergraben der technischen Rationalität. Wunderschön ist das aber trotzdem, dieses Phantom-Schwemmland, dieser Ort, wo das Wasser nicht mehr von der Donau hereinschwemmt, sondern stattdessen von unten hochgedrückt wird und praktische eine Grundwasser-Korrektur bildet. Und wie als natürlicher Beweis für eine gelungene Symbiose von Beton, Grün und Wasser schwimmen im durchbrochenen Sonnenlicht ein paar Entchen an der Oberfläche. Oben am Damm öffnet sich freie Sicht auf die Donau – wie immer ein Ah! und Oh!, ob der Donau und des plötzlich freien Blicks! Sowohl das Wasser und die Fische, als auch die Muscheln in der kleinen Bucht bieten Beobachtungpotential. Die massiven Betonkonstruktionen, die zwischen dem Gras auferstehen, diese Zweckmonumente der Moderne beeindrucken in ihrem unverstandenen Vorhandensein. Ein riesiges Lastenschiff startet sein Parkmanöver, und macht den langsamen aber permanenten Wechsel im Gebiet anschaulich. Wir entschließen uns, in Richtung Motoryachtclub zu gehen. Was soll man sagen? Hier ist ordentlich was los, hier am Wasser atmen die Menschen durch, mit oder ohne Boot, mit oder ohne Ausrüstung. Es scheint so, als ob hier ein Hauch von Individualität und Freizeit-Anarchie in der Luft liegt: sonnen, laufen, Rad fahren, fischen, Hund ausführen, spazieren gehen. Vorne, wo bereits der Containerhafen beginnt und der Weg abrupt endet, haben sich zwei Leute am Ufer niedergelassen, außerdem hat hier jemand einen kleinen Zeltverschlag neben einem Anhänger aufgebaut, scheint zumindest sehr viel Zeit hier am Wasser zu verbringen. Wir finden Spuren von Partygeschehen, eine Feuerstelle, ein paar leere Bierdosen, eine aufgerissene Kondomverpackung, anderen Kram. Am Rückweg schlagen wir uns so bald als möglich wieder in die Büsche, hier ist es kühl, eine Hornisse verfolgt uns, über unseren Köpfen surrt es, ein Segelflieger kommt runter. Wir gehen zurück zum Segelflugplatz, dieser enorm offenen und weiten Fläche zwischen Industrie und Donau. Wir sehen den gelandeten Flieger zum Hangar rollen. Ein anderer Flieger startet. Die leere Fläche birgt in sich eine eigene Dramatik, weil am Industrierand die Existenz einer derart großen, leeren Fläche unglaublich ist, und weil andererseits die glatte Grünfläche am Donauufer völlig unglaubwürdig erscheint. An der Schnittmenge des Unglaublichen und Unglaubwürdigen eröffnet sich das Theatrale. Ich erlaube mir eine Dramatisierung des Raumes: Der Anblick der weißen Flieger in der Luft und auf der Rasenfläche wirkt beinahe wie ein Fest, eine gut gelaunte fete blanche der Flugzeuge: Ein sonniger Ballsaal mit tanzenden Flugzeugen als Hauptdarsteller, einem vorbeifliegenden Greifvogel als Tanzmeister, leicht aufsteigender Rauch und luftig vorbeiziehende Wolken als Bewegungsassemblage, inmitten des Industrieflickwerks eine wunderschöne Choreographie der paradoxen Leichtigkeit.
Ein Detail am Rande, sichtbar bei der Rückfahrt: Am Hafen an der Industriezeile wird gerade die Linz09 Hafenhalle abgebaut, ein temporärer Kulturort am Hafen. Zwischengenutzt als Linz AG Lagerhalle wird die ehemalige Theaterhalle Stück für Stück abgetragen, um sie woanders wieder aufzubauen. Ich stelle fest: Eine Brache ist das hier sicher nicht, hier verfällt nichts, hier wird zumindest kein Material verschwendet.

 

Industrieschlote als Akteure, TanjaB

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Fläche als Verhandlungstisch (Einsprengsel Theorie-Schwemmland)

14. Juli. Morgenrundgang, es regnet. Ein Blick auf die Freizeitanlage der Stadt, natürlich ist noch niemand da, dafür stehen zwei Wassersprinkler auf dem Sportfeld und sprühen im Kreis, kurios im Regen. In die Stille mischt sich eine unaufdringliche Geräuschkulisse mit Wassersprinkler, Regentropfen, Vogelgezwitscher und Autobahn. Das hat was. Von Abwesenheit; und Überwucherung; und Automatismen.
Zehn Wassersprinkler auf dem Flugfeld im Regen, das wäre doch eine Inszenierung, die den regulierten Wasserhaushalt im Gebiet spiegelt. Funktioniert auch ohne Darsteller, ohne Zuschauer.
Überhaupt wirkt diese enorm riesige Fläche mit einem Schlag wieder wie eine abgeschlossene Fläche auf mich, eine Fläche, die durch ihre Begrenzung mit hohem Baumbestand räumlich wird. Und wenn ich die Dramatisierung des Raumes als theatralen Raum weiterführe – mit merkwürdigen Akteuren, die auch für sich alleine zu funktionieren scheinen und in eindeutiger Absicht auf die heute triste Fläche hereinspielen: Die megalomanischen Turm- und Schlotdarsteller der Voest aus der Ferne, der von sich selbst überzeugte Linz AG Fernwärmeschauspieler in der Nähe, der fahrende Woisetschläger und die lustigen Gebrüder Weiss, die über die Büsche schauen, überall rund um den Platz Erdgasleitungsmännchen mit gelben Kappen, Hochspannungsenergieträger-Riesen, Betonmonster, die aus dem Boden wachsen, sprechende Schilder, die von einer Inszenierung des unbefugten Betretens künden, der geordneten Müllablagerung, des unerwünschten Gasaustritts oder der Explosionsgefahr.
Und mitten drinnen die paar Hasen, Krähen, Fasane und Greifvögel, die ihre Naturnische gefunden haben, begehrlich von der Industrie rundum beäugt werden und von wenigen Segelfliegern in ihrer Daseinsberechtigung verteidigt sind.
Ich stelle fest, an diesem regnerischen Morgen: alles in allem eine hochbrisante Dramatik der Dinge und Zusammenhänge.
Und wenn das schon nicht Theater ist,
dann ist das hier,
auf der industriellen Nebenfläche,

zumindest eine Quasi-Installation, die (Einsprengsel Theorie-Schwemmland, Bruno Latour) die modernen Pole Natur und Gesellschaft in einem komplexen Netzwerk vereint:
Eine Fläche wie ein Verhandlungstisch – mit den Verhandlungspartnern Schwerindustrie, Transport Grundversorgung; Freizeit, Vogel, Segelflieger und Nebenfläche;
mit den Verhandlungspartnern weiter: Baum, Busch, Linz AG und Hase – und nicht zu vergessen: heute haben die automatisch gesteuerten Wassersprinkler in der Freizeitanlage das Wort.
Jetzt und im Moment wirkt diese Fläche zerbrechlich, bedrückend einsam, sogar beengend auf mich. Das liegt vielleicht daran, dass die verbündeten Segelflieger noch schlafen und andererseits jede einzelne Person nur in voller Abhängigkeit in diese symbolische Verhandlungsfläche eintreten kann: existenziell abhängig von einer Vielzahl von Automatismen, von einem System, das seine Abläufe perfekt geschmiert hat, von einer Ökonomie, die ihre Regeln fest und unterirdisch verlegt, von einer Vorstellung von Freiheit an der Oberfläche, von einem Systemzusammenhang, aus dem man sich in allen ambivalenten Schattierungen der Faszination und des Ekels nicht ausnehmen kann.

 

Flugversuch II, Foto: Reinhard Winkler

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Der Hase im Flieger

15. August, früher Nachmittag, Feiertag. Ich erkunde einen neuen Zufahrtsweg zum Segelflugplatz und nehme die Zufahrt über die Prinz Eugenstraße. Ich sehe hinter dem Cineplexx wieder eine Freifläche, riesige Berge aus Holzstämmen und eine Schrebergartensiedlung. Vorne biege ich in die Hollabererstraße und komme beim Kreisverkehr zur Nebingerstraße heraus, fahre noch etwas herum. Im Tankhafen ist Feiertagsruhe, einmal brettert ein LKW vorbei. Mir fällt eigenartig auf, dass sich hier im Industriegebiet Sackgassen- und Fahrverbotsschilder mit Autobahnhinweisschildern zur A1 und A7 merkwürdig abwechseln, was völlig verschiedene Impulse zum Abbremsen und Beschleunigen suggeriert. Ich fahre dem LKW in der Nebingerstraße nach, er hat in der Sackgasse bei der IQ Tankstelle abgebremst und geparkt: Am Ende der Sackgasse ist eine Tankstelle, direkt am Rand zum Grün … Ich mache große Augen und drehe wieder um und bewege mich zurück ins Gebiet. Hier ist definitv dichtestes Linz AG-Land, hier treffen Stromversorgung und Abfallwirtschaft aufeinander, mit sämtlichen Gebäuden und Konstruktionen zu ebener Erde und in der Höhe. Ich befahre den Tankhafen und staune. Bei einem Hafenbecken entdecke ich hinter einem geparkten LKW einen alten, türkisen Peugeot mit schwarzem Kennzeichen. Der Besitzer hat im Gestrüpp im Hafenbecken seine Angel ausgeworfen. Ich komme zum Kreisverkehr zurück und parke, um die Gegend zu begehen. Weiter vorne steht ein großer Mercedes mit aufgedrehtem Licht, sein Besitzer scheint auf etwas zu warten. Inmitten der Hitze kommt eine Touristen-Radfahrergruppe den Asphalt heraufgestrampelt, mit Satteltaschen am Gepäckträger und sämtlichem Radtouristen-Pipapo. Sie fahren eine Runde im Kreisverkehr, schauen die Tanktürme an, wirken in ihren Helmen etwas unentschlossen und biegen dann wieder ab. Wie ich erst jetzt feststelle, scheint hier eine unsichtbare Grenze vom Industrieviertel zum Hafengebiet zu verlaufen, denn auf den Hinweisschildern bei den Tanktürmen wird unbefugtes Betreten des Hafengebietes behördlich untersagt. Ich frage mich, ob das die Touristen abgeschreckt hat und stehe vor der Frage, auf welche Wege sich das Verbotsschild überhaupt bezieht, oder ob ich überhaupt bereits im verbotenen Hafengebiet stehe, während ich das lese. Und wenn nicht, ob mein Interesse für den Segelflugplatz bereits eine Begründung für befugtes Befahren ausgemacht hat. Generell: Stellt das Bedürfnis nach Erholung und Freizeit bereits eine Befugnis zum Betreten dar? Ich entschließe mich zu glauben, dass es sich hier um eine Mischung aus Überbleibsel, Duldung und Haftungsabsicherung handelt und fahre wieder in die Sackgasse zur IQ-Tankstelle, um dort mein Auto abzustellen. Die Tankstelle hier am Rand zur Natur ist ein Kuriosum, zumal sich hier am Abend schon so manch einsamer Hase auf der gut ausgeleuchteten Fläche neben den Zapfsäulen getummelt hat. Das sind die special effects hier, die magischen Momente im Industriegebiet, die sehr oft mit Hasen zu tun haben. Der Schilderwald, der einem beim Weg zum Flughafenplatz empfängt, ist in seiner Ansammlung von Verboten und Erklärungen ein Schauspiel an sich: Hier treffen Industrie und Freizeit hart aufeinander, wahrscheinlich im Falle der Segelfliegervereine in einer Nutzungssymbiose der Tankstelleninfrastruktur, wie auch in einem gemeinsamen Verständnis, was das Aufstellen von Verbotsschildern betrifft: Industrie und Freizeit trennt eine Gleisanlage, die natürlich nicht betreten werden darf, vom Flughafen, der auch nicht betreten werden darf. Das ist aber überall so hier im Hafengebiet, wo allenthalben sehr viel betreten verboten wird. Tatsächlich scheint es diesbezüglich aber kaum Probleme zu geben, abgesehen von einem vielleicht größeren Interessenskonflikt der Regulierung von Natur und Industrie, dessen Anstrengung sich so spiegelt. Ich gehe den Weg in Richtung Süden, nach vorne zur Landzunge. Wieder einige Hinweis- und Verbotsschilder, es ist aber Verzauberung angesagt: Der Jäger verbietet in Frakturschrift, die Hunde laufen zu lassen, dann ein uneinsichtiger Weg, blühende Spontanvegetation, rechts der Blick auf ein Stück aufgelassene und eingezäunte Industrie, Gebüsch, Rosengehölz, Wechselkröten-Ablaiche, Stauden mit blauen Beeren, Tanktürme, wieder ein gigantischer Berg aus Holzstämmen. Sogar der Stacheldrahtzaun, der das alles abgrenzt, bekommt etwas Sinn, wenn man weiß, dass zumindest die Hasen diese eingezäunten Zonen nutzen, um sich dort vor den freilaufenden Hunden in Sicherheit zu bringen, und tatsächlich sollen die Hasen die eingezäunten Sicherheitsfläche auch nutzen, um zu kopulieren. Danach, etwas weiter vorne, inmitten dieser Natur ein faszinierter Blick auf das Wasser und die Industrielandschaft dahinter. Wenn man Richtung Linz schaut, erhebt sich über diesem ganzen Industriewahnsinn in strahlendem Sonnenschein der Pöstlingberg – wenn das kein Postkartenmotiv des etwas anderen Linz ist. Tatsächlich tut es mir für die Radfahr-Touristen von vorhin leid, dass ihnen das entgeht – und wahrscheinlich gäbe es doch einige touristische Nutzungsmöglichkeiten, sofern man das nur irgendwie wollen oder angemessen auf die Reihe bringen könnte.
Das jedenfalls, was an erfreutem Ausblick an der anderen Seite des Segelflugplatzes immer die Donau besorgt, wird hier durch die Kulisse des Tankhafens samt dahinterliegender Industrie geliefert: Ein faszinierter Blick auf Wasser, Industrielandschaft, Tanktürme, immer wieder das schöne Wort „Ölsperre“, ein im Sonnenlicht fast „photogeshoppt“ wirkender Linz AG Turm, Holzstämme, Produktionslärm, ein aus dem Wasser wegstartender Schwan, braune Babyschwäne, eine Durchsage, die vom anderen Ufer herüberschallt und an eine Bahnhofsdurchsage erinnert, immer wieder Detailblicke auf eine organisch wirkende Struktur, dann tatsächlich ein Industriezug auf den Schienen – das weckt ob der Entfernung Spielzeugassoziation: Die riesige Industriemaschinerie schrumpft von ungeheuerlicher Größe in etwas ganz kleines, verwandelt sich in der Vorstellung in kindliche Wahrnehmung, weil die Zusammenhänge übermächtig sind und völlig verborgen bleiben.
Dass das Gebiet hochreguliert ist, wird hier in aller Deutlichkeit sichtbar, nicht nur durch den Blick ins große Ganze, sondern auch durch viele Details: Etwa durch die gelben Erdgasleitungsanzeiger, die überall zwischen Bäumen oder direkt am Wasser auftauchen. Oder durch die Dükeranlage, die an der Spitze der Landzunge steht: Sie pumpt das Abwasser kilometerweit von da nach dort, unter Land und unter Donau. Über der betonierten und eingezäunten Anlage ist auf einer Stahlkonstruktion wieder ein Schild zu lesen: „Verweilen unter hängender Last verboten“. Als ob jemand über den Zaun steigen würde und genau auf 10 Quadratmetern Dükeranlage unter hängender Last verweilen würde wollen. Ich begrüße einen Angler, der mit seinem Auto an der Donau steht, und würde ihn gerne fragen, ob er es sich auf der Dükeranlage bequem machen würde wollen, wenn es nicht verboten wäre. Ich gehe dann lieber aber ein paar Schritte hinauf – dorthin, wo man zwischen den Hecken Einblick auf die gesamte Fläche des Segelflugplatzes hat. Von hier bietet der Blick die eigentliche Sensation auf den Platz, denn der Freiraum erstreckt sich in voller Länge: die ökologisch geschützte Zone vor der Fläche des Segelflugplatzes, dahinter der Segelflugplatz, insgesamt eine langgezogene Freifläche, eingekeilt von Wasser: Inmitten der durchrationalisierten Zone ein plötzlicher Leerlauf, der dem Rhythmus der Natur zu folgen scheint.
Vereinzelt Tierdarsteller, Menschendarsteller. In dieser paradoxen Ansammlung von Eindrücken würde es mich nicht wundern, wenn ich am späten Abend mal einen Hasen selbst in einen Flieger einsteigen sehen würde, einen Hasen, der die Fallwinde zu nutzen versteht und eine Flugrunde über den Norden von Linz zu ziehen pflegt. Ganz im Sinne der Trias von Natur, Kultur und Industrie weiß der Hase Bescheid und schraubt sich berauscht durch die Luft. Ich schicke diese spontane Idee, diesen gedanklichen Irrläufer aber den Donauweg hinunter: Da läuft er dahin, joggt fit bis in die Turnschuhe seines Weges, entfernt sich wieder von mir, bis er ganz verschwunden ist. Beim Zurückgehen riecht es zuerst nach Sommer, dann bilde ich mir ein, dass der Wind nach Superkleber stinkt. Das ist nämlich auch so etwas, was im Industriegebiet ganz real aufeinandertrifft und bei der Heimfahrt ganz normal auffällt: Riecht es auf den Straßen des Industrie- und Hafenviertels einmal streng nach Lack und Farbe, kann es sein, dass ein paar Meter weiter feiner Bäckereigeruch über den Straßen liegt.

 

Die Verkapselung von Natur, TanjaB

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Poesie und echte Industrieromantik-Empfehlung
(Einsprengsel Kritik-Schwemmland)

Sonntag, 14. August, früher Abend. Sommerwetter, kaum was los am Segelflugplatz. Ich sitze am Ende des Platzes ins Gras. Grillengezirpe, Motorboot, Partygetratsch. Geräuschkulisse von rundum. Die Straße nach Steyregg, kaum Autobahn. Ein wenig Vogelgezwitscher, müdes Hundegebell, Audio-Layers. Lange blaue Schatten liegen quer auf der Flugbahn. Wachsen länger. Keine Größenverhältnisse in dieser Weite: Vorne in der Luft tatsächlich keine Segelflieger, nur Modellflugzeuge. Was man sieht, scheint leise. Weit weg ein Mann mit Hund, noch jemand. Die beiden sehen den Fliegern zu, der Hund hüpft durchs hohe Gras. Die freie Fläche. Über dem Grün die ferne Industrielandschaft. Links der hohe Grasstreifen – Baum, Bach, Damm, Donau, Pfenningberg. Hinter mir die Freizeitanlage der Stadt Linz. Rechts ein Streifen Büsche und Bäume, Industrie. Vögel ziehen darüber. Rauch steigt aus einem der Schlote. Hin und immerwieder Vögel oder der Modellflieger, der im blauen Sonnenhimmel:

– mal ein schwarzer Punkt,
– mal eine aufspiegelnde Fläche,
– mal ganz unsichtbar ist.

Von der Donauseite Wassergeräusche, Boote. Von ganz weit oben eine sich überschlagende Schallwelle eines wirklichen Flugzeuges, die wieder verschwindet. Stille versus Ruhe. Perfekte Freizeitharmonie. Natur, Kultur, Industrie. Die Triaspropaganda. Mein Auge ruht auf der Dreieckskonstruktion der winzigen Steyregger Brücke in der Ferne, die Hochspannungsleitung daneben wiederholt die Form. Ein Haiku – aus gegebenem Anlass in dreifacher Aufschichtung:

Friedliche Industriefantastik, es scheint kurz
einer geglückten / Menschheit (gratuliere!), die einen Stadtorganismus
In einen / harmonischen Ablauf geführt hat
Und nicht nur (ganz toll!) kontrolliert /

Soviel zum Haiku. Die Sonne verschwindet hinter einer Wolke. Das Licht- und Schattenspiel am Feld fällt weg, Monochromie. Die Industrietürme treten hervor. Ein Vogelschwarm fliegt nah an mir vorbei, zieht einen Bogen. Ein Fasan rennt quer über die Startbahn. Wieder Bootsgeräusche, ein Bootsbauch schlägt auf der Wasseroberfläche auf – Autos, Hafengetratsche, Freizeitlebensläufe: Idylle total. Die Modellflieger sind weg. Gequake aus der Linz AG Freizeitanlage, Klodeckel fallen zu, Tore werden zugerasselt, Auflachen. Ich dreh mich noch mal um. Auch hinter mir eine Hochspannungsleitung. Die Firmengebäude der Speditionen erheben sich hinter den Stauden. Dazwischen meterhochgezogener Maschendrahtzaun. Bahnhofs-Verschiebegeräusche, die Sonne geht nun wirklich unter. Allgemeines Runterkommen. Die Hitze dunstet nach. Krähen. Ein Motorrad wird angeworfen. Heute kein Vogelgezeter, nur Fasanengeschrei. Fernes Grollen, feines Glitzern am Himmel. Ein schöner Sonnenuntergang, beinahe surreales Rosa, luzides Gelb. Das glaubt man kaum, eine echte Industrieromantik-Empfehlung. Vorne, in der Voest, sind bereits Lichter sichtbar: Freifläche und Industrie, Natur, Sonnenuntergang und Wolkenstimmung: Das ist gleich ganz großes Theater, das der Produktion einen schönen Vorhang beschert. Der Schlacke-Anstich würde den Himmel zusätzlich einfärben. Aber die Voest hat stattdessen nur eine Wasserdampfwolke geschickt.
Es wird nun dämmrig. Mehr Lichter werden in den Industriehallen sichtbar, gelbe Lampen, Industriefeuer. Weiße Lichter auf den Türmen. Rotes Blinklicht auf meinem Linz AG Turm. Er ist mir unsympathisch. Der Turm wirkt wie ein Wächter. (Einsprengsel Kritik-Schwemmland, Noam Chomsky: Konzerne sind gigantische, unsterbliche Personen). Die Landschaft wird zur Silhouette. Wie nun rausgehen? Jedenfalls mit Grillengezirpe. Einige Nacktschnecken sind plötzlich da oder fallen mir erst jetzt auf. Ein Mann mit einem niedlichen, kleinen Köter kommt mir entgegen. Ein später Abendspaziergang, er wirkt wenig erfreut. Gibt’s das, dass die Nacht mit Nacktschnecken beginnt? Und gibt’s das, dass ich vorhin einen Eisvogel gesehen habe?
Beim Hinausgehen liegt süßer Duft in Luft. Er kommt von den Stauden und Blütendolden, die auf Au-Seite weiß, gelb und lila wuchern. Auf der anderen Seite die gepflegte Rasenfläche der Freizeitanlage, hier wuchert es nur vor dem Gitterzaun: Der Maschendraht als anerkannte, recht plötzliche Grenze. Mit einem Schritt steige ich vom Schotter auf den Asphalt und passiere mit wenigen Schritten die Container der Spedition. Kurz hat es noch was von Campingplatz am Abend, inklusive frei flatternder Fledermaus. Dann aber helle Lichter bei den Eingängen der Firmen:

Plasser & Theurer,
Bunzl & Biach,
Gleisanlagen,
Altpapier,
Aktenvernichtung,
anderes.

Ganz vorne bei der Industriezeile die bunten Neonröhren des Bauhauses. Die Firmen werden in der Erinnerung noch stärker zu Personen, die die Bühne bereits betreten haben und bespielen. Beim Bauhaus, „Linz‘ Spezialist für Werkstatt Haus und Garten“ sticht mir auf der Präsentationsfläche an der Außenfassade der Name der hauseigenen Gartengruppe ins Auge: „Der Stadtgarten“. Es ist ein Trademark in Neon dabei, das wirkt, als ob das Bauhaus ein Monopol auf Verkapselung von Natur hätte, oder auf Wörter des allgemeinen Sprachgebrauchs. Ist ja auch nichts Neues mehr, diese Hybridisierung von Natur, Sprache und Wirtschaft, die zum Wohle aller Winwinwinwinwinwinwinwin-Situationen erzeugen soll. Wirkt halt im Moment absurd. Dass man daran glauben muss, ist grotesk: (Denn die Wirtschaft will auch wuchern). Aber: Man will ja nicht zur ruderalen Nachtmoralpflanze verkommen, die sich in einer spontanen Anwandlung mal da und mal dort ansiedelt.

Beim Heimfahren über die Industriezeile offenbart sich ein anderes spektakuläres Bild. Ein Möwenschwarm kreist im Containerhafenbecken über das Wasser, im dunkelblauen Nachthimmel, mit Vollmond.