Deep Mind bei minus 273 Grad

Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad

Einige auseinanderdriftende Beobachtungen und textliche Kunst-, Sinn- und Projektskizzen von Tanja Brandmayr.

Beobachtungen: Do you work hard? You Don’t!

Auf Macht-Ebenen von Mitte-Rechts-Regierungen geht es vermutlich durchaus darum, den eigenen Reihen und den weniger aufgeschlossenen Teilen unserer Gesellschaft eine Version von Kunst und Kultur zu liefern, die nicht völlig unnütz erscheint, zumindest irgendwie argumentierbar ist, und dabei vielleicht sogar noch angenehm zu prickeln vermag. Dazu lädt man sich offensichtlich gern auch einen lebendigen, ganzen Künstler ein, um sich auf Augenhöhe mit ihm zu unterhalten. So etwa geschehen in Oberösterreich im November des Vorjahres, beim 17. Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft: Künstler Erwin Wurm im Gespräch mit Genetiker Markus Hengstschläger im Rahmen einer Veranstaltung von Academia Superior, der Gesellschaft für Zukunftsforschung. Eine Vereinigung, die in Oberösterreich im Wesentlichen von Spitzen der ÖVP und der Kepler Universität getragen ist. Die folgenden Zitate stammen aus der der Veranstaltung folgenden Presseaussendung. Deshalb: Es kann hier weniger darum gehen, was Wurm im Kontext und vor Ort vielleicht tatsächlich gemeint hat, sondern welche Subtexte per Pressetext verbreitet werden – wir nehmen mal an, nicht ganz zufällig. Der aus dem Pressetext zitierte Wurm im O-Ton: „Gute Kunst schafft Spannung“, „Gute Künstler in einer Sparte beflügeln gute Künstler in anderen Sparten. ‚Meisterschaft schafft Meisterschaft‘ heißt es“, „Wenn Leute anfangen, sich auszuruhen, geht es schnell bergab.“, „Die Jugend zu fördern ist gut, aber irgendwann muss auch Schluss sein“ oder im Hinblick auf Lernende: „Die, die nicht gut sind, die hängen an einem wie nasse Wäsche. Aber es wird trotzdem nichts aus ihnen“. Gut-gut-gut. Um der Aussendung gerecht zu werden: Eine Prise soziale Wärme war auch dabei, ein Hauch von Redlichkeit in Auseinandersetzung mit der Kunst wurde angedeutet. Vor allem aber beginnt der von Aussagen zu Wurms Kunst durchzogene, und letztenendes, was die gesamte Veranstaltung betrifft, vor Selbstzufriedenheit triefende Presstext mit einer Aussage des Landeshauptmannes zur Wirtschaft: „Wer über Lebensqualität und den Wirtschaftsstandort Oberösterreich reden will, muss eine breitere Perspektive einnehmen und auch die Kultur miteinbeziehen.“ Und der Pressetext schließt dann auch mit „Miteinbeziehen“: Denn der von Wurm zitierte Sager „Meisterschaft schafft Meisterschaft“ bestätige laut PA „indirekt die Aussage des Landeshauptmanns“, dass nämlich „Kunst auch ein integraler Bestandteil eines erfolgreichen Wirtschaftsstandortes sei“, angedacht in einer Art Exzellenz-Wechselwirkung jeglicher Weise. Tja. Meisterschaft versus die nasse Wäsche der Talentlosen: Sind das die neuen Kategorien? In einem politisch und wirtschaftlich unterfütterten Setting, das sich hinter dem Dialog von Kunst und Wissenschaft eher unsichtbar macht: Klingt dann eher nach Ideologieproduktion, oder danach, dass sich die Politik aus der Finanzierung zurückzieht. Nicht nur deshalb bleibt hier gefühlt eine Eliten- und Exzellenzideologie wie ein kalter, nasser Fetzen an einem hängen – um im Jargon zu bleiben.

Exkurs: Auffällig in Oberösterreich der letzten Monate und Jahre: ein Umbau der Kultur im Land Oberösterreich und eine neue, bunt inszenierte Sichtbarkeit der Kepler Universität. Academia Superior, das Großformatblatt Kepler Tribune, PR, Bautätigkeit, Koop mit dem Keplersalon, oder heuer das angeplante Ars Electronica Festival auf dem Uni Campus: Interessant, dass das Land OÖ aus der Jahresfinanzierung des Ars Electronica Centers ausgestiegen, und nun indirekt über die Kepler-Uni, auf dessen Gelände und Instituten die heurige Ars stattfinden soll, in den Ars-Zirkus wieder eingestiegen ist – Wirtschaftscluster und Technologie-Interessen sei Dank. Man möchte sagen, eine vor allem zugunsten der Wirtschaft inszenierte Win-Win-Situation, eine schaurig-schöne neue Involviertheit in die Stadt und den Weltkreis – nach dem Motto: Teile und Herrsche. Im größer angelegten Konglomerat scheint die Ars Electronica eher der kleinere Fisch zu sein, außerdem wird sie wegen der Corona-Krise nun eher nicht in der ursprünglichen Form stattfinden. Und auch wenn Teile der Wirtschaft und der Industrie dort recht schön präsentieren (hätten) können, und sie mit diversen Einflussbereichen vor allem die wahren Ansager im Land sind (und man kann annehmen mit allen strategischen Manövern), ist der sich akzelerierende globale Techno-Kapitalismus größer als Oberösterreich, und eine Umverteilung im Sinne des Endes des Kapitalismus, das ja angeblich weniger vorstellbar ist, als das Ende der Welt, also diese Unmöglichkeit einer tatsächlichen Umverteilung im Turbo-Kapitalismus fußt meiner Meinung nach im Wesentlichen darauf, dass es kein Pyramidenspiel gibt, bei dem sich alle gleich bereichern können. Was wiederum für viele eher gegen eine Umverteilung zu sprechen scheint, als gegen ein Pyramidenspiel an sich.

Um damit auf die Kunstschaffenden zurückzukommen, bzw ganz allgemein auf eine Kultur, die Menschen schlicht ein Leben ermöglicht – man kann sowohl zur Kunst, einer weit gefassten Kultur und zur Leistungs-Ideologie generell anmerken: Während insgesamt etwa Künstler und Kulturschaffende tendenziell die armutsgefährdeten Clowns der Gesellschaft sind (obwohl sie wie alle anderen durchaus leistungsorientiert arbeiten müssen, und das noch dazu mehrfach in mehrere Richtungen), und vielleicht gerade deshalb nicht so gut ins Bild passen, während zudem die Zustände in Billiglohn-Segmenten wegen Corona wiedermal aufgepoppt sind, die klassische unterbezahlte Verkäuferin kurz Applaus bekommen hat und auf Baustellen die Subunternehmen von Subunternehmen die Hackler trotz Ansteckungen und unter Androhung von Lohnentzug weiterarbeiten haben lassen, anderswo überhaupt schon Riots ausgebrochen sind, während das alles läuft, werden nicht nur im genannten superioren Beispiel fragwürdige Retro-Leistungs-und-Exzellenz-Vorstellungen fabriziert. Die sind schlichte Re-Arragements des Konservativismus, der Begrenzung und der Ignoranz: Es scheint wieder in diese Richtung zu gehen, die Kunst etwa als Schmuckwerk, Salontalk oder auch, Hokuspokus, schnell in Kreativindustrie verwandelt, innerhalb eines Think Tanks zu instrumentalisieren, und ansonsten die größeren Ressourcen und Entwicklungsinteressen in ein Leistungs-Phantasma zu gießen, um das alles möglichst widerspruchsfrei und smooth zu etablieren. Das lässt sich auch daran erkennen, dass in der PR (hoffentlich nicht im tatsächlichen Weltverständnis?) auch gern mit inszenierten Gegensätzen gearbeitet wird, wie etwa Kunst/Wissenschaft (oder auch sehr beliebt: Tradition/Digitalisierung) – und dass das, was nicht im System passend gemacht werden konnte, am besten nicht einmal existent ist. Es ist ein Drama, dass sich in den vergangenen Jahren die KünstlerInnen, Kulturschaffenden, Kulturinstitutionen, aber auch die Bildungsinstitutionen gezwungenermaßen dem Diktat eines Kennzahlenfetischismus oder Sparens unterwerfen mussten, zum Nachteil natürlich der Kunst und Kultur, die sich leider selbst allzuoft in dementsprechend unhinterfragtes Wording und angepasstes Denken verstiegen hat – und zum Nachteil der KünstlerInnen und Kulturschaffenden, die sich in prekären Lebenssituationen wiederfinden, die schlichtweg nicht als gegeben hinzunehmen sind. Diese prekären und, um das entsprechende Wording anzuskizzieren: anti-innovativen Lebens- und Arbeitsbedingungen finden sich längst auch in anderen Bereichen. Vom größeren Zusammenhang einer globalen und ebenso beschämend anti-modernistischen Ausbeutung ganz zu schweigen. In Politik sowie Kulturpolitik ist jedenfalls trotzdem eine Tendenz zum Großen, Wahren und Schönen feststellbar.

Sinnskizzen: Innovation überspringen now!

Dem vermeintlich Großen, Wahren und Schönen sollten Artists, Wissenschaftler und forschende Menschen aber insofern nicht zuarbeiten, als dass es keinen Weg zurück in alte, vormoderne Strukturen geben kann. Die wirklichen Modernisten sollten hingegen so etwas wie einen Faktor Innovation überspringen, um ein System, das sich die letzten, sagen wir 100 Jahre entwickelt hat, in ein Übermorgen zu denken. Und wer‘s noch immer nicht glaubt: Wir stehen am Kipppunkt eines globalen ökologischen Desasters. Und wie sich jetzt anhand von Unruhen und Zuständen in den USA, zeigt, auch eines größer aufkommenden bürgerkriegsgleichen Desasters, das die tatsächlichen Dimensionen von gesellschaftlicher Antimodernität belegt. Die Ansage, einen Modernismus quasi nach vorne hin zu überspringen, ist aber vielmehr tiefergehend mit Bruno Latour argumentiert, der 1991 sein Buch mit „Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie“ betitelt hat und der – abseits vom Inhalt des hier angeführten Buches, das würde zu weit führen – immer wieder auch in Interviews die Wirkungen einer Welt beschrieben hat, in der die Subjekte, Institutionen, Objekte, Dinge, Menschen, Tiere, die gesellschaftlichen Systeme und ihre inkludierenden und exkludierenden Bedeutungen und Wirkungen etc unvermutet weitläufig verbunden sind. Dieser Komplexität steht eine einseitig rational gedachte und gewinnmaximiert organisierte Welt gegenüber, die, angetrieben durch technologische Entwicklung einerseits in Richtung Verrechnung, Totalitarismus, Rechtsruck, Überwachung und Ungleichheit, andererseits in Richtung Abflachung, Reduktion, Nivellierung, Kommerzialisierung und Instrumentalisierung voranschreitet. Was diese großen Dilemmata der Entwicklung anbelangt, befinden wir uns meiner Meinung nach in einer Abgeschlossenheit eines permanenten Re-Arrangements derselben Ideen und Zugänge. Und wir, also „Wir“ im großen Stil, tun wider besseres Wissen gerade so, als ob man etwa tatsächlich unendliche Rationalität, oder unendliches Wachstum anvisieren könnte. Wir befinden uns meiner Meinung nach in einer Zeit von etwas wie einem Übergangsopportunismus, in einer Welt, die uns tatsächlich mehr oder weniger einnimmt, mit einerseits alten Ideen von frappierender Ungleichheit, geradezu einer Etablierung von neuer Ungleichheit, und die andererseits auf einer Sinnebene aber auf absurde Weise von einer Äquidistanz zu Allem handelt, zu links, zu rechts, oben, unten und allem anderen Sinnhaften und Unsinnhaften. Der größere Plot ist, meiner Überlegung nach, entweder eine Freiheit, von der wir noch nichts wissen können, weil es sich um eine Freiheit des per se Anderen handelt. Oder es handelt sich um, weniger sympathisch, ein fortgesetztes Szenario einer Art großangelegten, einseitigen Verkündigung von Welt – eine Hineinführung in eine, durch das digitale Big-System angetriebene Geschichtslosigkeit, im Sinne einer Aufhebung von Raum und Zeit, in der sich nur mehr Waren und Wahrheiten verdichten. Diese muss per se gleichverteilt sein, was zumindest eine Gleichsetzung von Karte und Welt bedeutet, und organisiert sich eventuell sogar als ewige, statische Diktatur. Die Frage ist immer: Wo schieben sich die produktiven Irrationalitäten hin, wenn sie permanent nach unten gedrückt werden? Wie wird der Dimension der individuellen Körperlichkeit gerecht? Letztenendes führt der Großversuch von derartigen Dimensionslosigkeiten meiner Meinung nach sogar zu einer entkoppelten Kognition, die per se und evolutionär – zumindest was den Menschen und seine Beziehungen anbelangt – an Entwicklung, den Körper, an dessen kulturelle Existenz, vor allem aber an individuelle Erfahrung, Emotion, Kreativität, Phantasie und Irrationalität geknüpft ist. Dies alles verändert sich – und wer meint, dass Home-Yoga hier die Antwort sein könnte, der möge glücklich werden. Wir finden nun aber vielmehr Widersprüche vor, die sich im klassischen Sinn nicht mehr an Gegensätze koppeln lassen, falls das je möglich war. Wir erkennen stattdessen zunehmend sozial-politisch-kulturell-technologisch-ökonomisch-ökologisch-whatever-systemische Hologramme, in denen sich Alles in Allem abbildet und wiederfindet, und die bis in die Individuen hineinspielen, sprich: Alles hängt mit Allem zusammen – und es zeichnet sich meiner Meinung nach ab – und das ist die Hypothese – dass es auch tatsächlich so ist. Damit müssen wir fertig werden. Deshalb sollten forschende Menschen andere Arten von Gegensätzen aufspüren, Widersprüche, Verbundenheiten, Auflösungstendenzen, das Nicht-Identische oder das Nicht-Deckungsgleiche, die tatsächlich prekäre Situation der Auflösung andenken, eine Physik der Beziehungen, oder einer Mathematik der Empathie, sie können an ästhetischen Strategien des Unsagbaren arbeiten, oder kritische ProduzentInnen des Widerstands sein, einer Erhöhung des Widerspruchs, und sie sollten den Schock des Nichts aushalten – an den neuen Rändern der persönlichen Welt.

Kunst 1: Die neuen Ränder der persönlichen Welt

Erhöhung des Widerspruchs: Mit den direkt zugänglichen und kulturgeschichtlich „ersten Medien“ des Körpers und der Sprache geht es in einer für das Jahr 2020 in der STWST angelegten Projektskizze darum, das Individuum nach wie vor als das einzig potentiell Widerständige zu verstehen. Gleich danach geht es darum, festzuhalten, wie brutal-tödlich heute die allumfassenden Widersprüche in die persönlichsten Sphären der Individuen hineinspielen. Vor dem Hintergrund einer als total gesetzten Ökonomie haben sich Individuen heute selbst zu einem Rohstoff entwickelt – zwischen alter Ausbeutung und neu kolonialisierter Big-Data-Ressource: Der „Rohstoff Individuum“ ist im Zuge der totalitären technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen als Ganzes zu einer angezapften Datenressource geworden, samt Emotionen und innersten Begehren. Mit anderen Rohstoffen gemeingestellt, in einem als absolut zu setzenden ökologischen Rahmen muss es sich schlichtweg neu behaupten, um nicht unterzugehen – verbündet sich aber eventuell mit Dingen, denen bis jetzt ein Bewusstsein abgesprochen wurde. Dieses Text-, Kontext- und Bildprojekt widmet sich der „unreinen“ Form der „einzelmenschlichen Erfahrung“ innerhalb von Widersprüchen, die sich an der Oberfläche zunehmend zu relativierenden Mehr-oder-weniger-Welten entwickeln. Es geht darum, hier auseinanderdriftende Koordinaten zwischen Referenzerfahrungen aufzustellen. Als „unreine“ Form der „einzelmenschlichen Erfahrung“ werden hier die Texte von den „neuen Rändern der persönlichen Welt“ proklamiert: Diese werden aus Text- Kontext- und Bildkoordinaten bestehen – vom Menschengedicht bis zum Kontextverlust. Es geht darum, in diesen tristen Mehr-oder-weniger-Welten diejenigen Orientierungs-Koordinaten aufzuschlagen, die Gegensätze benennen. Wir wissen, wie leicht Menschen sonst vom Rand dimensionsloser Scheiben herunterfallen.

Kunst 2: Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad

Der zweite Teil einer für das Jahr 2020 in der STWST angelegten Projektskizze besteht aus einer erweiterten Körperpraxis und setzt gleichzeitig den Körper als absolut. Das ist wichtig festzuhalten, als dass sich der Körper als nicht zu relativierendes Medium per se in einer kulturellen und sonstigen Nicht-Infragestellung befinden sollte: Individuen stehen Kopf, wenn sie einen Kopfstand machen, sie hungern und haben Schmerzen, wenn die materiellen Grundbedingungen des Körpers nicht gegeben sind. Insofern soll der Körper nicht als beliebiges Experimentierfeld verstanden sein, sondern eben in seiner grundsätzlichen Unversehrtheit einer kulturunabhängigen Vorbedingtheit. Im Gegensatz dazu werden aber diejenigen Dinge interessant, die nicht als absolut zu setzen sind: In diesem künstlerischen Projektansatz werden diejenigen Mechanismen in den Fokus genommen, die körperlich diffizil und rätselhaft sind, reduziert ansetzen und an den ungeklärten bis irrationalen Berührungsflächen zu einem „Bewusstsein“ wirksam zu werden scheinen. Praxissetting und Reflexion gehen mit Reduktion einher: Was ist ein Movement, das an einer reduzierten Bewegungspraxis des Gehens und Rückwärtsgehens, eines propriozeptiven Sinns ansetzt oder einer heruntergefahrene Bewegungsökonomie oder der Welt-Hirn-Schranke des Schlafes? Erweitert wird der Körperresearch im Jahr von STWST 2020 MORE VS LESS um eine noch konsequentere Reduktion, nämlich um das Thema der Autophagie und der damit einsetzenden „anderen“ Stoffwechselprozesse auf Zellebene, die Selbstheilungsprozesse anregen und insofern eine Selbstwirksamkeit im Sinne einer Autonomie thematisieren. Begleitet wird dieser Körperresearch mit Reflexion und weiteren thematischen Auseinandersetzungen des Atmens und einer von mir nassforsch proklamierten „nasalen Phase“, die als von Sigmund Freud vergessene, aber umso entwicklungsrelevante Phase behandelt wird. Es geht um einen Research des Wassertransportes im Körper (Wassermoleküle drehen angeblich, wenn sie durch die Zellen diffundieren), und außerdem einer Quantentheorie des Bewusstseins, bei der laut der Theorie des Physikers Roger Penrose und des Anästhesisten Stuart Hameroff in den Mikrotubuli des Gehirns Quanteneffekte geschehen und somit Bewusstsein erzeugen – obwohl Quanteneffekte laut der gängigen Forschung etwa bei Quantencomputern erst gegen minus 273 Grad unter Null möglich sein sollen. Alle Projektansätze verlassen die engeren Grenzen der künstlerischen Praxis in Richtung ihrer Auflösung, dh einer Auflösung in die Wirklichkeit. Sie pochen allerdings geradezu auf eine klassische Funktion von Kunst, indem sie das Unsagbare, Unaussprechliche, die Indirektheit und den verborgenen Kern der Materie zwischen möglichst weit auseinanderliegenden Gegensatzkoordinaten entstehen lassen sollen. Es geht um Atmung, Bewegung, Gegenbewegung sowie ein tiefliegendes Menü an Widersprüchen. Alles in allem handelt es sich bei den skizzierten Ansätzen um Unmögliches: Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad. Ihres?

 

Tanja Brandmayr ist unter anderem Künstlerin, Redakteurin und STWST-Mitarbeiterin.

Text erschienen im Juni 2020 in der Versorgerin 126.