{"id":873,"date":"2020-06-13T13:34:10","date_gmt":"2020-06-13T11:34:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.quasikunst.at\/?page_id=873"},"modified":"2020-10-26T12:05:48","modified_gmt":"2020-10-26T11:05:48","slug":"deep-mind-bei-minus-273-grad","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/deep-mind-bei-minus-273-grad\/","title":{"rendered":"Deep Mind bei minus 273 Grad"},"content":{"rendered":"<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Einige auseinanderdriftende Beobachtungen und textliche Kunst-, Sinn- und Projektskizzen von Tanja Brandmayr. <\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><b>Beobachtungen:\u00a0<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><b>Do you work hard? You Don\u2019t!<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Auf Macht-Ebenen von Mitte-Rechts-Regierungen geht es vermutlich durchaus darum, den eigenen Reihen und den weniger aufgeschlossenen Teilen unserer Gesellschaft eine Version von Kunst und Kultur zu liefern, die nicht v\u00f6llig unn\u00fctz erscheint, zumindest irgendwie argumentierbar ist, und dabei vielleicht sogar noch angenehm zu prickeln vermag. Dazu l\u00e4dt man sich offensichtlich gern auch einen lebendigen, ganzen K\u00fcnstler ein, um sich auf Augenh\u00f6he mit ihm zu unterhalten. So etwa geschehen in Ober\u00f6sterreich im November des Vorjahres, beim 17. Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft: K\u00fcnstler Erwin Wurm im Gespr\u00e4ch mit Genetiker Markus Hengstschl\u00e4ger im Rahmen einer Veranstaltung von <i>Academia Superior<\/i>, der <i>Gesellschaft f\u00fcr Zukunftsforschung<\/i>. Eine Vereinigung, die in Ober\u00f6sterreich im Wesentlichen von Spitzen der \u00d6VP und der Kepler Universit\u00e4t getragen ist. Die folgenden Zitate stammen aus der der Veranstaltung folgenden Presseaussendung. Deshalb: Es kann hier weniger darum gehen, was Wurm im Kontext und vor Ort vielleicht tats\u00e4chlich gemeint hat, sondern welche Subtexte per Pressetext verbreitet werden \u2013 wir nehmen mal an, nicht ganz zuf\u00e4llig. Der aus dem Pressetext zitierte Wurm im O-Ton: \u201eGute Kunst schafft Spannung\u201c, \u201eGute K\u00fcnstler in einer Sparte befl\u00fcgeln gute K\u00fcnstler in anderen Sparten. \u201aMeisterschaft schafft Meisterschaft\u2018 hei\u00dft es\u201c, \u201eWenn Leute anfangen, sich auszuruhen, geht es schnell bergab.\u201c, \u201eDie Jugend zu f\u00f6rdern ist gut, aber irgendwann muss auch Schluss sein\u201c oder im Hinblick auf Lernende: \u201eDie, die nicht gut sind, die h\u00e4ngen an einem wie nasse W\u00e4sche. Aber es wird trotzdem nichts aus ihnen\u201c. Gut-gut-gut. Um der Aussendung gerecht zu werden: Eine Prise soziale W\u00e4rme war auch dabei, ein Hauch von Redlichkeit in Auseinandersetzung mit der Kunst wurde angedeutet. Vor allem aber beginnt der von Aussagen zu Wurms Kunst durchzogene, und letztenendes, was die gesamte Veranstaltung betrifft, vor Selbstzufriedenheit triefende Presstext mit einer Aussage des Landeshauptmannes zur Wirtschaft: \u201eWer \u00fcber Lebensqualit\u00e4t und den Wirtschaftsstandort Ober\u00f6sterreich reden will, muss eine breitere Perspektive einnehmen und auch die Kultur miteinbeziehen.\u201c Und der Pressetext schlie\u00dft dann auch mit \u201eMiteinbeziehen\u201c: Denn der von Wurm zitierte Sager \u201eMeisterschaft schafft Meisterschaft\u201c best\u00e4tige laut PA \u201eindirekt die Aussage des Landeshauptmanns\u201c, dass n\u00e4mlich \u201eKunst auch ein integraler Bestandteil eines erfolgreichen Wirtschaftsstandortes sei\u201c, angedacht in einer Art Exzellenz-Wechselwirkung jeglicher Weise. Tja. Meisterschaft versus die nasse W\u00e4sche der Talentlosen: Sind das die neuen Kategorien? In einem politisch und wirtschaftlich unterf\u00fctterten Setting, das sich hinter dem Dialog von Kunst und Wissenschaft eher unsichtbar macht: Klingt dann eher nach Ideologieproduktion, oder danach, dass sich die Politik aus der Finanzierung zur\u00fcckzieht. Nicht nur deshalb bleibt hier gef\u00fchlt eine Eliten- und Exzellenzideologie wie ein kalter, nasser Fetzen an einem h\u00e4ngen \u2013 um im Jargon zu bleiben. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Exkurs: Auff\u00e4llig in Ober\u00f6sterreich der letzten Monate und Jahre: ein Umbau der Kultur im Land Ober\u00f6sterreich und eine neue, bunt inszenierte Sichtbarkeit der Kepler Universit\u00e4t. Academia Superior, das Gro\u00dfformatblatt Kepler Tribune, PR, Baut\u00e4tigkeit, Koop mit dem Keplersalon, oder heuer das angeplante Ars Electronica Festival auf dem Uni Campus: Interessant, dass das Land O\u00d6 aus der Jahresfinanzierung des Ars Electronica Centers ausgestiegen, und nun indirekt \u00fcber die Kepler-Uni, auf dessen Gel\u00e4nde und Instituten die heurige Ars stattfinden soll, in den Ars-Zirkus wieder eingestiegen ist \u2013 Wirtschaftscluster und Technologie-Interessen sei Dank. Man m\u00f6chte sagen, eine vor allem zugunsten der Wirtschaft inszenierte Win-Win-Situation, eine schaurig-sch\u00f6ne neue Involviertheit in die Stadt und den Weltkreis \u2013 nach dem Motto: Teile und Herrsche. Im gr\u00f6\u00dfer angelegten Konglomerat scheint die Ars Electronica eher der kleinere Fisch zu sein, au\u00dferdem wird sie wegen der Corona-Krise nun eher nicht in der urspr\u00fcnglichen Form stattfinden. Und auch wenn Teile der Wirtschaft und der Industrie dort recht sch\u00f6n pr\u00e4sentieren (h\u00e4tten) k\u00f6nnen, und sie mit diversen Einflussbereichen vor allem die wahren Ansager im Land sind (und man kann annehmen mit allen strategischen Man\u00f6vern), ist der sich akzelerierende globale Techno-Kapitalismus gr\u00f6\u00dfer als Ober\u00f6sterreich, und eine Umverteilung im Sinne des Endes des Kapitalismus, das ja angeblich weniger vorstellbar ist, als das Ende der Welt, also diese Unm\u00f6glichkeit einer tats\u00e4chlichen Umverteilung im Turbo-Kapitalismus fu\u00dft meiner Meinung nach im Wesentlichen darauf, dass es kein Pyramidenspiel gibt, bei dem sich alle gleich bereichern k\u00f6nnen. Was wiederum f\u00fcr viele eher gegen eine Umverteilung zu sprechen scheint, als gegen ein Pyramidenspiel an sich. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Um damit auf die Kunstschaffenden zur\u00fcckzukommen, bzw ganz allgemein auf eine Kultur, die Menschen schlicht ein Leben erm\u00f6glicht \u2013 man kann sowohl zur Kunst, einer weit gefassten Kultur und zur Leistungs-Ideologie generell anmerken: W\u00e4hrend insgesamt etwa K\u00fcnstler und Kulturschaffende tendenziell die armutsgef\u00e4hrdeten Clowns der Gesellschaft sind (obwohl sie wie alle anderen durchaus leistungsorientiert arbeiten m\u00fcssen, und das noch dazu mehrfach in mehrere Richtungen), und vielleicht gerade deshalb nicht so gut ins Bild passen, w\u00e4hrend zudem die Zust\u00e4nde in Billiglohn-Segmenten wegen Corona wiedermal aufgepoppt sind, die klassische unterbezahlte Verk\u00e4uferin kurz Applaus bekommen hat und auf Baustellen die Subunternehmen von Subunternehmen die Hackler trotz Ansteckungen und unter Androhung von Lohnentzug weiterarbeiten haben lassen, anderswo \u00fcberhaupt schon Riots ausgebrochen sind, w\u00e4hrend das alles l\u00e4uft, werden nicht nur im genannten superioren Beispiel fragw\u00fcrdige Retro-Leistungs-und-Exzellenz-Vorstellungen fabriziert. Die sind schlichte Re-Arragements des Konservativismus, der Begrenzung und der Ignoranz: Es scheint wieder in diese Richtung zu gehen, die Kunst etwa als Schmuckwerk, Salontalk oder auch, Hokuspokus, schnell in Kreativindustrie verwandelt, innerhalb eines Think Tanks zu instrumentalisieren, und ansonsten die gr\u00f6\u00dferen Ressourcen und Entwicklungsinteressen in ein Leistungs-Phantasma zu gie\u00dfen, um das alles m\u00f6glichst widerspruchsfrei und smooth zu etablieren. Das l\u00e4sst sich auch daran erkennen, dass in der PR (hoffentlich nicht im tats\u00e4chlichen Weltverst\u00e4ndnis?) auch gern mit inszenierten Gegens\u00e4tzen gearbeitet wird, wie etwa Kunst\/Wissenschaft (oder auch sehr beliebt: Tradition\/Digitalisierung) \u2013 und dass das, was nicht im System passend gemacht werden konnte, am besten nicht einmal existent ist. Es ist ein Drama, dass sich in den vergangenen Jahren die K\u00fcnstlerInnen, Kulturschaffenden, Kulturinstitutionen, aber auch die Bildungsinstitutionen gezwungenerma\u00dfen dem Diktat eines Kennzahlenfetischismus oder Sparens unterwerfen mussten, zum Nachteil nat\u00fcrlich der Kunst und Kultur, die sich leider selbst allzuoft in dementsprechend unhinterfragtes Wording und angepasstes Denken verstiegen hat \u2013 und zum Nachteil der K\u00fcnstlerInnen und Kulturschaffenden, die sich in prek\u00e4ren Lebenssituationen wiederfinden, die schlichtweg nicht als gegeben hinzunehmen sind. Diese prek\u00e4ren und, um das entsprechende Wording anzuskizzieren: anti-innovativen Lebens- und Arbeitsbedingungen finden sich l\u00e4ngst auch in anderen Bereichen. Vom gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang einer globalen und ebenso besch\u00e4mend anti-modernistischen Ausbeutung ganz zu schweigen. In Politik sowie Kulturpolitik ist jedenfalls trotzdem eine Tendenz zum Gro\u00dfen, Wahren und Sch\u00f6nen feststellbar.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><b>Sinnskizzen:\u00a0<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><b>Innovation \u00fcberspringen now!<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Dem vermeintlich Gro\u00dfen, Wahren und Sch\u00f6nen sollten<b> <\/b>Artists, Wissenschaftler und forschende Menschen aber insofern nicht zuarbeiten, als dass es keinen Weg zur\u00fcck in alte, vormoderne Strukturen geben kann. Die wirklichen Modernisten sollten hingegen so etwas wie einen Faktor Innovation \u00fcberspringen, um ein System, das sich die letzten, sagen wir 100 Jahre entwickelt hat, in ein \u00dcbermorgen zu denken. Und wer\u2018s noch immer nicht glaubt: Wir stehen am Kipppunkt eines globalen \u00f6kologischen Desasters. Und wie sich jetzt anhand von Unruhen und Zust\u00e4nden in den USA, zeigt, auch eines gr\u00f6\u00dfer aufkommenden b\u00fcrgerkriegsgleichen Desasters, das die tats\u00e4chlichen Dimensionen von gesellschaftlicher Antimodernit\u00e4t belegt. Die Ansage, einen Modernismus quasi nach vorne hin zu \u00fcberspringen, ist aber vielmehr tiefergehend mit Bruno Latour argumentiert, der 1991 sein Buch mit \u201eWir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie\u201c betitelt hat und der \u2013 abseits vom Inhalt des hier angef\u00fchrten Buches, das w\u00fcrde zu weit f\u00fchren \u2013 immer wieder auch in Interviews die Wirkungen einer Welt beschrieben hat, in der die Subjekte, Institutionen, Objekte, Dinge, Menschen, Tiere, die gesellschaftlichen Systeme und ihre inkludierenden und exkludierenden Bedeutungen und Wirkungen etc unvermutet weitl\u00e4ufig verbunden sind. Dieser Komplexit\u00e4t steht eine einseitig rational gedachte und gewinnmaximiert organisierte Welt gegen\u00fcber, die, angetrieben durch technologische Entwicklung einerseits in Richtung Verrechnung, Totalitarismus, Rechtsruck, \u00dcberwachung und Ungleichheit, andererseits in Richtung Abflachung, Reduktion, Nivellierung, Kommerzialisierung und Instrumentalisierung voranschreitet. Was diese gro\u00dfen Dilemmata der Entwicklung anbelangt, befinden wir uns meiner Meinung nach in einer Abgeschlossenheit eines permanenten Re-Arrangements derselben Ideen und Zug\u00e4nge. Und wir, also \u201eWir\u201c im gro\u00dfen Stil, tun wider besseres Wissen gerade so, als ob man etwa tats\u00e4chlich unendliche Rationalit\u00e4t, oder unendliches Wachstum anvisieren k\u00f6nnte. Wir befinden uns meiner Meinung nach in einer Zeit von etwas wie einem \u00dcbergangsopportunismus, in einer Welt, die uns tats\u00e4chlich mehr oder weniger einnimmt, mit einerseits alten Ideen von frappierender Ungleichheit, geradezu einer Etablierung von neuer Ungleichheit, und die andererseits auf einer Sinnebene aber auf absurde Weise von einer \u00c4quidistanz zu Allem handelt, zu links, zu rechts, oben, unten und allem anderen Sinnhaften und Unsinnhaften. Der gr\u00f6\u00dfere Plot ist, meiner \u00dcberlegung nach, entweder eine Freiheit, von der wir noch nichts wissen k\u00f6nnen, weil es sich um eine Freiheit des per se Anderen handelt. Oder es handelt sich um, weniger sympathisch, ein fortgesetztes Szenario einer Art gro\u00dfangelegten, einseitigen Verk\u00fcndigung von Welt &#8211; eine Hineinf\u00fchrung in eine, durch das digitale Big-System angetriebene Geschichtslosigkeit, im Sinne einer Aufhebung von Raum und Zeit, in der sich nur mehr Waren und Wahrheiten verdichten. Diese muss per se gleichverteilt sein, was zumindest eine Gleichsetzung von Karte und Welt bedeutet, und organisiert sich eventuell sogar als ewige, statische Diktatur. Die Frage ist immer: Wo schieben sich die produktiven Irrationalit\u00e4ten hin, wenn sie permanent nach unten gedr\u00fcckt werden? Wie wird der Dimension der individuellen K\u00f6rperlichkeit gerecht? Letztenendes f\u00fchrt der Gro\u00dfversuch von derartigen Dimensionslosigkeiten meiner Meinung nach sogar zu einer entkoppelten Kognition, die per se und evolution\u00e4r \u2013 zumindest was den Menschen und seine Beziehungen anbelangt \u2013 an Entwicklung, den K\u00f6rper, an dessen kulturelle Existenz, vor allem aber an individuelle Erfahrung, Emotion, Kreativit\u00e4t, Phantasie und Irrationalit\u00e4t gekn\u00fcpft ist. Dies alles ver\u00e4ndert sich \u2013 und wer meint, dass Home-Yoga hier die Antwort sein k\u00f6nnte, der m\u00f6ge gl\u00fccklich werden. Wir finden nun aber vielmehr Widerspr\u00fcche vor, die sich im klassischen Sinn nicht mehr an Gegens\u00e4tze koppeln lassen, falls das je m\u00f6glich war. Wir erkennen stattdessen zunehmend sozial-politisch-kulturell-technologisch-\u00f6konomisch-\u00f6kologisch-whatever-systemische Hologramme, in denen sich Alles in Allem abbildet und wiederfindet, und die bis in die Individuen hineinspielen, sprich: Alles h\u00e4ngt mit Allem zusammen \u2013 und es zeichnet sich meiner Meinung nach ab \u2013 und das ist die Hypothese \u2013 dass es auch tats\u00e4chlich so ist. Damit m\u00fcssen wir fertig werden. Deshalb sollten forschende Menschen andere Arten von Gegens\u00e4tzen aufsp\u00fcren, Widerspr\u00fcche, Verbundenheiten, Aufl\u00f6sungstendenzen, das Nicht-Identische oder das Nicht-Deckungsgleiche, die tats\u00e4chlich prek\u00e4re Situation der Aufl\u00f6sung andenken, eine Physik der Beziehungen, oder einer Mathematik der Empathie, sie k\u00f6nnen an \u00e4sthetischen Strategien des Unsagbaren arbeiten, oder kritische ProduzentInnen des Widerstands sein, einer Erh\u00f6hung des Widerspruchs, und sie sollten den Schock des Nichts aushalten \u2013 an den neuen R\u00e4ndern der pers\u00f6nlichen Welt. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><b>Kunst 1<span style=\"font-size: 10pt;\">: <\/span><\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000; font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><b>Die neuen R\u00e4nder der pers\u00f6nlichen Welt<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Erh\u00f6hung des Widerspruchs: Mit den direkt zug\u00e4nglichen und kulturgeschichtlich \u201eersten Medien\u201c des K\u00f6rpers und der Sprache geht es in einer f\u00fcr das Jahr 2020 in der STWST angelegten Projektskizze darum, das Individuum nach wie vor als das einzig potentiell Widerst\u00e4ndige zu verstehen. Gleich danach geht es darum, festzuhalten, wie brutal-t\u00f6dlich heute die allumfassenden Widerspr\u00fcche in die pers\u00f6nlichsten Sph\u00e4ren der Individuen hineinspielen. Vor dem Hintergrund einer als total gesetzten \u00d6konomie haben sich Individuen heute selbst zu einem Rohstoff entwickelt \u2013 zwischen alter Ausbeutung und neu kolonialisierter Big-Data-Ressource: Der \u201eRohstoff Individuum\u201c ist im Zuge der totalit\u00e4ren technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen als Ganzes zu einer angezapften Datenressource geworden, samt Emotionen und innersten Begehren. Mit anderen Rohstoffen gemeingestellt, in einem als absolut zu setzenden \u00f6kologischen Rahmen muss es sich schlichtweg neu behaupten, um nicht unterzugehen \u2013 verb\u00fcndet sich aber eventuell mit Dingen, denen bis jetzt ein Bewusstsein abgesprochen wurde. Dieses Text-, Kontext- und Bildprojekt widmet sich der \u201eunreinen\u201c Form der \u201eeinzelmenschlichen Erfahrung\u201c innerhalb von Widerspr\u00fcchen, die sich an der Oberfl\u00e4che zunehmend zu relativierenden Mehr-oder-weniger-Welten entwickeln. Es geht darum, hier auseinanderdriftende Koordinaten zwischen Referenzerfahrungen aufzustellen. Als \u201eunreine\u201c Form der \u201eeinzelmenschlichen Erfahrung\u201c werden hier die Texte von den \u201eneuen R\u00e4ndern der pers\u00f6nlichen Welt\u201c proklamiert: Diese werden aus Text- Kontext- und Bildkoordinaten bestehen \u2013 vom Menschengedicht bis zum Kontextverlust. Es geht darum, in diesen tristen Mehr-oder-weniger-Welten diejenigen Orientierungs-Koordinaten aufzuschlagen, die Gegens\u00e4tze benennen. Wir wissen, wie leicht Menschen sonst vom Rand dimensionsloser Scheiben herunterfallen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><b>Kunst 2:\u00a0<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><b>Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Der zweite Teil einer f\u00fcr das Jahr 2020 in der STWST angelegten Projektskizze besteht aus einer erweiterten K\u00f6rperpraxis und setzt gleichzeitig den K\u00f6rper als absolut. Das ist wichtig festzuhalten, als dass sich der K\u00f6rper als nicht zu relativierendes Medium per se in einer kulturellen und sonstigen Nicht-Infragestellung befinden sollte: Individuen stehen Kopf, wenn sie einen Kopfstand machen, sie hungern und haben Schmerzen, wenn die materiellen Grundbedingungen des K\u00f6rpers nicht gegeben sind. Insofern soll der K\u00f6rper nicht als beliebiges Experimentierfeld verstanden sein, sondern eben in seiner grunds\u00e4tzlichen Unversehrtheit einer kulturunabh\u00e4ngigen Vorbedingtheit. Im Gegensatz dazu werden aber diejenigen Dinge interessant, die nicht als absolut zu setzen sind: In diesem k\u00fcnstlerischen Projektansatz werden diejenigen Mechanismen in den Fokus genommen, die k\u00f6rperlich diffizil und r\u00e4tselhaft sind, reduziert ansetzen und an den ungekl\u00e4rten bis irrationalen Ber\u00fchrungsfl\u00e4chen zu einem \u201eBewusstsein\u201c wirksam zu werden scheinen. Praxissetting und Reflexion gehen mit Reduktion einher: Was ist ein Movement, das an einer reduzierten Bewegungspraxis des Gehens und R\u00fcckw\u00e4rtsgehens, eines propriozeptiven Sinns ansetzt oder einer heruntergefahrene Bewegungs\u00f6konomie oder der Welt-Hirn-Schranke des Schlafes? Erweitert wird der K\u00f6rperresearch im Jahr von STWST 2020 MORE VS LESS um eine noch konsequentere Reduktion, n\u00e4mlich um das Thema der Autophagie und der damit einsetzenden \u201eanderen\u201c Stoffwechselprozesse auf Zellebene, die Selbstheilungsprozesse anregen und insofern eine Selbstwirksamkeit im Sinne einer Autonomie thematisieren. Begleitet wird dieser K\u00f6rperresearch mit Reflexion und weiteren thematischen Auseinandersetzungen des Atmens und einer von mir nassforsch proklamierten \u201enasalen Phase\u201c, die als von Sigmund Freud vergessene, aber umso entwicklungsrelevante Phase behandelt wird. Es geht um einen Research des Wassertransportes im K\u00f6rper (Wassermolek\u00fcle drehen angeblich, wenn sie durch die Zellen diffundieren), und au\u00dferdem einer Quantentheorie des Bewusstseins, bei der laut der Theorie des Physikers Roger Penrose und des An\u00e4sthesisten Stuart Hameroff in den Mikrotubuli des Gehirns Quanteneffekte geschehen und somit Bewusstsein erzeugen \u2013 obwohl Quanteneffekte laut der g\u00e4ngigen Forschung etwa bei Quantencomputern erst gegen minus 273 Grad unter Null m\u00f6glich sein sollen. Alle Projektans\u00e4tze verlassen die engeren Grenzen der k\u00fcnstlerischen Praxis in Richtung ihrer Aufl\u00f6sung, dh einer Aufl\u00f6sung in die Wirklichkeit. Sie pochen allerdings geradezu auf eine klassische Funktion von Kunst, indem sie das Unsagbare, Unaussprechliche, die Indirektheit und den verborgenen Kern der Materie zwischen m\u00f6glichst weit auseinanderliegenden Gegensatzkoordinaten entstehen lassen sollen. Es geht um Atmung, Bewegung, Gegenbewegung sowie ein tiefliegendes Men\u00fc an Widerspr\u00fcchen. Alles in allem handelt es sich bei den skizzierten Ans\u00e4tzen um Unm\u00f6gliches: Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad. Ihres?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><b>Tanja Brandmayr <\/b>ist unter anderem K\u00fcnstlerin, Redakteurin und STWST-Mitarbeiterin. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">Text erschienen im Juni 2020 in der <a href=\"http:\/\/versorgerin.stwst.at\/artikel\/jun-5-2020-1344\/mein-hirn-gefriert-bei-minus-273-grad\">Versorgerin 126.\u00a0<\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">Das im Vorfeld in diesem Text anskizzierte Projekt wurde im September 2020 umgesetzt als:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/stwst48x6.stwst.at\/mein_hirn_gefriert_bei_-273\">Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad<\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><strong>MEHR GEHT NICHT.<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">&#8211;<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">&#8211;<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">&#8211;<\/p>\n<p><strong><i>Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad<\/i>.<\/strong><\/p>\n<p>Text und Kontext als abstraktes Hochpotenzprojekt.<\/p>\n<p>WENIG WIRD MIT VIEL BEGR\u00dcNDET.<\/p>\n<p><span style=\"color: #00000a;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><i>Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad<\/i> ist ein Text- und Kontextprojekt in Hochpotenzaufl\u00f6sung. Es spricht \u00fcber den K\u00f6rper und setzt fort mit dem Denken \u00fcber die Widerspr\u00fcche an den Grenzen der Wissenschaft. \u201eMein Hirn\u201c besch\u00e4ftigt sich mit k\u00f6rperlichen Mechanismen, die reduziert ansetzen, diffizil sind und an ungekl\u00e4rten Ber\u00fchrungsfl\u00e4chen zu einem \u201eBewusstsein\u201c wirksam werden. Text und Reflexion gehen mit einem WENIGER an K\u00f6rperaktivit\u00e4t einher. Was ist Atmen, Imagination, Bewegungs\u00f6konomie? Was ist Reduktion? WENIG WIRD MIT VIEL BEGR\u00dcNDET. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #00000a;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Erweiterter Kontext 1: Dies wird um Reduktion auf der k\u00f6rperlichen Ebene des Stoffwechsels fortgesetzt. Es geht um Fasten und Autophagie: Mit diesem autonom-selbstwirksamen Mechanismus, der genetisch seit hunderttausenden Jahren in den Zellen gespeichert ist, setzen in Phasen ohne Nahrung \u201eselbstfressende\u201c andere Zellprozesse ein, die etwa Selbstheilungsprozesse anregen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #00000a;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Erweiterter Kontext 2: K\u00f6rper-Paradoxa des weniger Vorhandenen spiegeln sich weit unter Null in einer Quantentheorie des Bewusstseins, bei der laut umstrittener Theorie im Gehirn Quanteneffekte geschehen und Bewusstsein erzeugen \u2013 obwohl Quanteneffekte etwa bei Quantencomputern laut g\u00e4ngiger Forschung erst gegen minus 273 Grad m\u00f6glich sein sollen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #00000a;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Alle diese Ans\u00e4tze verlassen die engeren Grenzen der k\u00fcnstlerischen Praxis in Richtung Aufl\u00f6sung. Sie werden sinnbildlich und quasi-hom\u00f6opathisch ins Nichts verd\u00fcnnt und gesch\u00fcttelt und als k\u00fcnstlerische Hochpotenzprojekte angelegt. An schwindelnden Grenzen pochen sie auf eine klassische Funktion von Kunst, indem sie das Unsagbare, Unaussprechliche, die Indirektheit, die Irrationalit\u00e4t, das Verborgene und das tats\u00e4chlich \u201eAndere\u201c wirken lassen. Der K\u00f6rper als Text-Hochpotenzprojekt auf eigenes Risiko: Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #00000a;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Das ist die Textebene von<a href=\"https:\/\/stwst48x6.stwst.at\/mein_hirn_gefriert\/\"><i> Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad<\/i><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_GoBack\"><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad Einige auseinanderdriftende Beobachtungen und textliche Kunst-, Sinn- und Projektskizzen von Tanja Brandmayr. Beobachtungen:\u00a0Do you work hard? You Don\u2019t! Auf Macht-Ebenen von Mitte-Rechts-Regierungen geht es vermutlich durchaus darum, den eigenen Reihen und den weniger aufgeschlossenen Teilen unserer Gesellschaft eine Version von Kunst und Kultur zu liefern, die nicht v\u00f6llig unn\u00fctz erscheint, zumindest irgendwie argumentierbar ist, und dabei vielleicht sogar noch angenehm zu prickeln vermag.<\/p>\n<p><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/deep-mind-bei-minus-273-grad\/\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":874,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-873","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/873","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=873"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/873\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":904,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/873\/revisions\/904"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/874"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=873"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}