{"id":861,"date":"2020-03-04T00:14:34","date_gmt":"2020-03-03T23:14:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.quasikunst.at\/?page_id=861"},"modified":"2020-03-06T10:42:20","modified_gmt":"2020-03-06T09:42:20","slug":"deep-drilling-und-sprache-im-antiquasimodus-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/en\/deep-drilling-und-sprache-im-antiquasimodus-2\/","title":{"rendered":"Deep Drilling and language in Antiquasi mode"},"content":{"rendered":"<p>english version: coming soon!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Text bezieht sich auf 2 Projekte, die 2019 im Rahmen von STWST48x5 STAY UNFINISHED umgesetzt wurden: \u201eThe Unfinished Language\u201c und \u201eDeep Drilling for Contracts\u201c.<\/p>\n<p><b>Sprache im Antiquasimodus <\/b><\/p>\n<p><b>Kaputte Linguisten arbeiten mit einem unfertigen Schreibbot: Ein Kurzbericht \u00fcber ein STWST-Schreibbot-Projekt des vergangenen Jahres, ein Wort-Deep-Drilling und dar\u00fcber, was \u201ean der Schnittstelle\u201c von Sprache und Medium alles \u201eerfahrbar gemacht\u201c werden konnte. Oder auch nicht. <\/b><\/p>\n<p>Vorausgeschickt kann werden, dass der STWST-Schreibbot schon in seinen ersten Testl\u00e4ufen kein einziges Mal das Wort \u201eSchnittstelle\u201c ausgespuckt hat, ebenso wenig wie die Wortwendung \u201eerfahrbar machen\u201c. Deswegen k\u00f6nnte man meinen, dass der Bot als probater Schreibautomat aufgesetzt wurde, weil schlie\u00dflich kaum bis gar nicht die Jargons und\/oder sonstigen Bedeutungsh\u00fclsen vorkommen, die im kulturellen \u00dcberbau (Unterbau, Nebenbau, Neubau) eine ganze Heerschar an menschlichen ProfessionistInnen ganz locker regelm\u00e4\u00dfig aus dem \u00c4rmel sch\u00fcttelt: Der Bot \u201eberichtete\u201c auch nicht von \u201eSprechorten\u201c, \u201eVerschr\u00e4nkungen\u201c, \u201ediskursiven M\u00f6glichkeitsr\u00e4umen\u201c, \u201eadressierten Narrativen\u201c oder sonstigem \u201everortendem\u201c oder \u201eauslotendem\u201c Zeitgeist-Vokabular, sondern entwarf stattdessen auf Mausklick einen ganzen Kosmos von Neologismen, die, auf unterschiedlichen Kreativit\u00e4tsleveln getuned, mal mehr, mal weniger vertraut, mal dumpf, mal erfrischend daherkamen. Er gab schon in seinem unfertigen Status Wortneusch\u00f6pfungen aus, wie \u201eSchnittsynten\u201c, \u201eSexit\u00e4t\u201c, \u201eWortsake\u201c, \u201eKonsequenten\u201c, \u201eKonsequeller\u201c, \u201eKonformenten\u201c usw, oder auch Kryptisches wie \u201eSongschaft\u201c und \u201eNaturten\u201c und viele weitere merkw\u00fcrdige Sprachkomponenten, W\u00f6rter und Textteile. Es w\u00fcrde den Rahmen sprengen, hier in die Ergebnis-Vollen zu gehen. Sinn und Syntax in diesen Testl\u00e4ufen schienen jedenfalls oftmals haarscharf an den W\u00f6rtern und Satzkonstrukten vorbeizuzielen, die sie in ihrer vermeintlichen oder tats\u00e4chlichen kulturellen Gr\u00f6\u00dfe anklingen haben lassen. In Menge und Gestus offenbarten die Begriffe, non-grammatikalen Zusammenh\u00e4nge und Satzkonstrukte eine gewisse Aura eines Wort-Nachhalls, bzw vielleicht sogar eines Wort-Nachwalhallas, und lie\u00dfen nachgerade eine Art bizarre Sprachd\u00e4mmerung am Horizont leuchten. Und warum hier auch gleich ein wagnerianischer Wahnsinn in Anschlag gebracht wird, liegt an einem zweigeteilten Kunstprojekt, das letztes Jahr umgesetzt wurde: Der erste Teil wurde \u201ein hohler Phrase\u201c ausgerufen und im Rahmen der letztj\u00e4hrigen Showcase-Extravaganza STWST48x5 pr\u00e4sentiert: &#8222;UNFINISHED LANGUAGE: Kaputte STWST-Linguisten arbeiten mit einem unfertigen Schreibbot. Eingespeiste Textredaktion, das Bot-Review im Vorfeld, das Medium Sprache oder auch nur: Sprache ganz daneben. DER QUASI-BOT AND THE UNFINISHED LANGUAGE: \u201aAm Anfang war das Wort. Aber das Wort hat keine Kraft mehr\u2018\u201c. Und damit zusammenh\u00e4ngend, zweiter Ansatz, \u201eDEEP DRILLING FOR CONTRACTS \/ Soundloch Loop\u201c \u2013 und der folgende Absatz ist mit einem tiefen, verlangsamten Atemzug auf einen dunkleren Paradigmenwechsel deutend, eben auf Rheingold bezogen: \u201eDeep Drilling for Contracts: Wir graben einfach runter. Das Herausschlagen von Macht\/BUSINESS aus der Natur als Kernkompetenz unserer fr\u00fchen Industrie\/KULTURgeschichte. 12 Sekunden metallisches Geh\u00e4mmere als geloopte Soundessenz einer Ring-Mythologie, die im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert den \u00dcbergang der Vormoderne zur Moderne verhandelt: Zuerst runtergraben und Erz aus dem Berg schlagen, dann durch technologischen Voodoo einen goldenen Ring der Macht schmieden, es folgen Vertr\u00e4ge und Kapital. Schon zu Beginn sind alle ungl\u00fccklich. Viele Jahre sp\u00e4ter, jetzt: Smart. Individual. DEEP. Core. Das Ende der bisherigen gemachten Vertr\u00e4ge. Business am Wendepunkt. Ausbeutung as ever. DEEP DRILLING FOR NEW CONTRACTS.\u201c Soll hei\u00dfen: Im Zeitalter der IT und ihrer neuen Vertr\u00e4ge wird ab jetzt beim Lehensherrn wieder mit Blut unterzeichnet.<\/p>\n<p><b><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-869\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/stwst48x5_stay_unfinished-deep_drilling_for_contracts-sandra_brandmayr_316-1.jpg\" alt=\"\" width=\"426\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/stwst48x5_stay_unfinished-deep_drilling_for_contracts-sandra_brandmayr_316-1.jpg 900w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/stwst48x5_stay_unfinished-deep_drilling_for_contracts-sandra_brandmayr_316-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/stwst48x5_stay_unfinished-deep_drilling_for_contracts-sandra_brandmayr_316-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/stwst48x5_stay_unfinished-deep_drilling_for_contracts-sandra_brandmayr_316-1-800x533.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 426px) 100vw, 426px\" \/><\/b><\/p>\n<p><b>Neologos<\/b><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Anfang des Schreibbot-Projekts: Es wurde ein Schreibbot programmiert (Python als Programmiersprache, Tensorflow als Machine-Learning-Element)<sup>1<\/sup> und danach mit etwa 10 Millionen Zeichen aus dem STWST-Kontext gef\u00fcttert, zu einem gro\u00dfen Teil aus Texten der Zeitung Versorgerin, um das neuronale Netz anzusto\u00dfen. Dieses Schreibbot-Projekt war anf\u00e4nglich als &#8222;Eingespeiste Textredaktion und Bot-Review im Vorfeld&#8220; konzipiert. Ziel war es zuerst, automatisierte Reviews zu verfassen, allerdings bereits in Projektvorfeldern. Dies ist nat\u00fcrlich paradox und kritisiert als Idee die Automatisierungsprozesse von Sinnzusammenh\u00e4ngen. Um es auf die Spitze zu treiben bedeutete das in den konkreten Medias Res einen anvisierten Schreibbot-generierten \u201eArs-Electronica-Review im Vorfeld\u201c. Dieser wurde schon vor l\u00e4ngerer Zeit bei kommerziellen Anbietern angefragt, es folgten am\u00fcsante Mailverl\u00e4ufe \u00fcber das tolle Vorhaben (jaja, die alte Medienkunstfestival-Tante Ars zieht immer noch), bzw vor allem kam es zum pl\u00f6tzlichen Abbruch der Kommunikation, wenn bemerkt wurde, dass man sich mit diesem Projekt in einem subversiven-Nullsummen-Spiel verfangen k\u00f6nnte \u2013 das es schlie\u00dflich auch ist. Die Ars Electronica steht hier im \u00dcbrigen nur exemplarisch, bot aber einen sch\u00f6nen Unterboden f\u00fcr den Hype. Die Kritik, die damit zusammenh\u00e4ngt, ist gr\u00f6\u00dfer: Es kursieren in den sch\u00f6nen neuen \u201eUmgebungswelten\u201c der \u201eChanges\u201c aller Art und des \u201eNeuen\u201c Unmengen von bestens aufbereitetem Text- und sonstigem Material, um die Entwicklungen in Stellung zu bringen und tats\u00e4chliche Auseinandersetzungen mit Inhalten gleich ganz allgemein vorauseilend in den Wind schie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Gegen so eine Herangehensweise b\u00e4umen sich zwar immer noch einzelne kritische kleine Menschlein auf. Fakt ist allerdings, dass Politiker, Investoren, Rektoren, Intendanten, CEOs und anderes Symbolisches-bis Reales-Kapital-Chefgesocks herumzieht wie sprechende Wolken und in \u00fcberzeugender Weise eine ganze Entourage f\u00fcr sich arbeiten l\u00e4sst, etwa Ideologen, Motivatoren, Multiplikatoren, Lobbyisten, oder Presse- und PR-Abteilungen, die \u2013 weitgehend losgel\u00f6st von Inhalten, die sie eigentlich behandeln sollten \u2013 in ihrem Phantasy-Sprech zunehmend Amok laufen. Ob Inhalte da immerhin noch \u201emitgemeint\u201c sind? Man wei\u00df es nicht.<\/p>\n<p>In Anbetracht solcher Zusammenh\u00e4nge, und auch im Anbetracht dessen, dass der k\u00fcnstlerische Impetus dieses Vorhabens sowieso nie eine Entwicklung von Sprach-KI nachzeichnen sollte, das in permanent verbesserten X.0-Versionen bereits von Industrie bis Startup angekommen ist, wurde eine regul\u00e4re Weiterarbeit mit dem Bot, im Sinne seiner stetigen Verbesserung durch neuronales Lernen, gleich zu Beginn wieder gestoppt und fallengelassen. Bzw sollte der Bot nach einer sehr bald einsetzenden Reflexionsphase des Vorhabens von Anfang an unfertig bleiben: Als Ziel des k\u00fcnstlerischen Projekts best\u00e4tigte sich vielmehr, vor allem mit den Sprachabweichungen weiterzuarbeiten, und auf die verschiedenen &#8222;Kreativit\u00e4tsmodi&#8220; der potentiell in unendlicher Quantit\u00e4t auf Knopfdruck generierten Begriffe und \u201eTexte\u201c konkreter Kontexte anderer Projektvorhaben wieder aufzusetzen, bzw sich mit etwas zu konfrontieren, das zwischen Sprachgift und Sprachgegengift in einem permanenten Wechsel von JA\/NEIN-Antworten schaltet. Wir befinden uns hier also in einem Prozess von Quasimodus und Antiquasimodus von Sprache: Auf eine bis zur Sinnentfremdung instrumentalisierte Sprache, bzw auf deren gereinigten Begriffe, die Widerspr\u00fcche zur\u00fcckweisen, antwortet der Nicht-Sinn. So wurden einige Mehrzeiler zu denjenigen Schlagw\u00f6rtern generiert, die an sich schon unter die Gift-oder-Gegengift-Anf\u00fchrungszeichen gesetzt werden k\u00f6nnten, wie etwa \u201eHeimat\u201c: \u201eHeimation, Heimatisch, Heimatiert\u201c. Oder \u201eIdentit\u00e4t\u201c: \u201eIdentit\u00e4t, als Songschaft des Geschwachsels und des Schwalfs\u201c. Etwas brachialer und robuster wurden dann mit den Schlagworten \u201eSprache metallisch geh\u00e4mmert\u201c oder \u201eRadical Art\u201c weitere Neologismen ausgespuckt. In einem Teil des Projekts wurde mit Neologismen systematischer weitergearbeitet. Unter anderem wurde im Ansatz ein Neologismenw\u00f6rterbuch konzipiert, dessen Erkl\u00e4rungen wieder vom Bot \u201egeschrieben\u201c wurden und neue Neologismen ins Spiel gebracht haben (\u201eNaturten, die: 1. schlechoschale Naturten\u201c \u2026 \u201eSexit\u00e4t, die: urspr\u00fcnglich die Sexis betreffend\u201c). Wen wunderts, dass das W\u00f6rterbuch nicht nur incomplete and unfinished geblieben ist, sondern wegen seines endless \u201eCharakters\u201c auch bald und mit entsprechender Verve zum Teufel gejagt wurde. Das Material blieb entmutigend in seiner Menge, es erweiterte sich permanent in noch tiefere Abgr\u00fcnde und mit attraktiv-desastr\u00f6sem Vergn\u00fcgen wurden in weiterer Folge Kurzlibretti und Songtexte f\u00fcr Sounds und St\u00fccke destilliert und als Lesungen im kleinen Kreis organisiert: \u201eRadical Art goes broker \/ Radical art goes broken Pack\u201c. \u201eMetallische Weeks von Nebelehren aus der Position\u201c. \u201eWonne Konformierung Themen in den Tod, M\u00e4mmung Maschines\u201c. \u201eVom Wert des Kapitalismus der Kontrovierung der Konstruierung von Konsequelder\u201c. \u201eMetallisches Geh\u00e4mmere, assiert im Bergwerk aus sich herausschlagen\u201c. \u201eEs waren geringere Menschen mit dem Klassismus von Baller und Sache gegangener Technologie.\u201c \u201eWenn ihm der urspr\u00fcngliche Antrieb freier Wahl genommen, steht der kritische Losgeher selbst den von oben bewilligten Opfern teilnahmslos gegen\u00fcber\u201c. Letzter Satz stammt \u00fcbrigens nicht vom Bot, sondern von Karl Kraus.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter entstanden Textst\u00fccke, die nur mehr vom Bot inspiriert waren, quasi japanisch befreundet mit Maschinenkreativit\u00e4t entstanden sind. Hier wurde in einem autopoietischen Referenzrahmen und gleichzeitig mit weit auseinanderdriftenden Assoziationsketten hantiert. Innerhalb eines Schlaf-Themas wurde ein Textteil als grunds\u00e4tzlich anders Gelagertes generiert: ein Quasi-Unbewusstes der Maschine wurde vom Schreibbot formuliert. Hier zeigten sich im Ergebnis \u00c4hnlichkeiten und Ungereimtheiten zum Genre der experimentellen Literatur und der gesamte Ansatz wurde in eine k\u00fcnstlerische Gesamtkonzeption von Autopilot-Modi gestellt, die im Schlaf prozessiert werden. Wieder vom Schlaf weggehend wurden sp\u00e4ter Autoren und Autorinnen gelesen, die sich in Scifi, bzw. Non-Prosaformen mit dem Ende von Sprache besch\u00e4ftigt haben, dann aber auch solche, die gar nichts mehr mit dem urspr\u00fcnglich gestellten Thema zu tun hatten \u2013 und es bei den beteiligten kaputten Linguisten nur mehr um eine Lesetrance ging. Der Bot wurde damit komplett fallengelassen. Das Material blieb. Nach all diesen Prozessen wurde eine zuf\u00e4llig ausgesuchte Textauswahl kompiliert und eingesprochen, verschiedenen Aufnahme- und Abspielmodi unterzogen, bis die Ergebnisse schlussendlich deformiert genug waren, um sie als symbolisch-rituelle Wort-Tiefenbohrungen in umfassendem Rauschen enden zu lassen: Denn das alles wurde im Zusammenhang mit Sprache als \u201ein den Untergrund zur\u00fcckgedr\u00fccktes\u201c Medium gestellt. Der Stehsatz in der Gruppe lautete, dass \u201edie Sprache das Medium verlassen habe\u201c und letzten Endes die Sprache, ebenso ein Stehsatz, wieder als \u201enach unten in die Erde geficktes Medium\u201c, letztlich als mythologisch archaisch misshandelte Gaia und als ungeborener CHRONOS-NEOLOGOS<sup>3<\/sup><sup>\u201c<\/sup>, im Textloch innerhalb des Projektes &#8222;The Unfinished Language&#8220; abgespielt werden m\u00fcsse. Dort ist der deformierte Sound auf das Geh\u00e4mmere von Wagners Rheingold getroffen, innerhalb von \u201eDeep Drilling for Contracts\u201c, allerdings auch als bis in alle Ewigkeit geloopter und gestretchter Effekt: Es wurde die Stelle referenziert, wo die Zwerge im Untergrund in Nibelheim schuften.<\/p>\n<p><b>Der gr\u00f6\u00dfere Antiquasimodus <\/b><\/p>\n<p><a name=\"_GoBack\"><\/a>Das alles handelt davon, dass dem Menschen der Umgang mit seinen \u201eersten\u201c Medien, denjenigen des K\u00f6rpers und der Sprache und seiner Bedeutungen zunehmend entgleitet, bzw dass ihm die Vorstellungen einer bis in die Antike reichenden Kulturgeschichte und eines gr\u00f6\u00dferen Humanismus nachgerade aus dem Sinn geschlagen werden. Das ist ein grundlegenderer Paradigmenwechsel, als er in einem Totalzusammenhang von \u201eDigitalisierung\u201c zumeist besch\u00f6nigend dargestellt wird. Dass ein Entgleiten von Sprache, die quasi im Reality-Check oft genug von ihrer eigenen Entmaterialisierung bis hin zur hochgelevelten Zweckgebundenheit ihrer eigenen Verwertungslogiken berichtet, alles in allem heutzutage an einen gr\u00f6\u00dferen Kontext der Kontexte, quasi an einen Superkontext der maximal auseinanderdriftenden Widerspr\u00fcche eines kulturell-kapitalistischen \u00dcberbaus gebunden ist, der nicht mehr an herk\u00f6mmliche Gegens\u00e4tze gekoppelt werden kann, gleichzeitig aber \u00fcber Begriffe und Lebensorganisation alle Widerspr\u00fcche in sich vereinen und gl\u00e4tten soll, ist die gr\u00f6\u00dfere Einbettung und das eigentliche Thema. Darin wird der einzelne Mensch zum Hologramm von Superzusammenh\u00e4ngen und seiner eigenen hyperhochgefahrenen einzelmenschlichen Erfahrung \u2013 die er kaum noch auszudr\u00fccken vermag, w\u00e4hrend sich aus dem Innen ein Gef\u00fchl seiner eigenen Entmaterialisierung einstellt, was sozusagen den Gewaltaspekt im Emoji darstellt.<\/p>\n<p>\u201eDer Mensch im Zeitalter der Digitalisierung\u201c ist indessen zwischen aufgeschlagenen \u201eSpannungsfeldern\u201c oft banalisiert, etwa zwischen Kaspresskn\u00f6deln und Heimat, oder auch zwischen 5G-Datenhighway und \u201eProof of Truth\u201c. Im Sinne der Banalisierung bringen auch Begriffsreinigungen und Sprachregulierungen herzlich wenig \u2013 es ist unverst\u00e4ndlich, auf weiteres Regelwerk zu setzen, wo es sich um konkrete Unterdr\u00fcckungsmechanismen und ungeborene Emanzipation handelt. Dieses Regelwerk wird zudem ebenfalls in den Untergrund der Algorithmen gedr\u00fcckt, und es ist eine Frage der Zeit, bis Algorithmen kulturell-emanzipatorische Sprachzeichen zu setzen beginnen, die den Menschen auf \u201eetwas hinweisen\u201c werden, um etwas \u201esichtbar und erfahrbar zu machen\u201c, das sie real aber ohnehin in einem tats\u00e4chlich aufkl\u00e4rerischen Sinn sowieso nicht zu \u00e4ndern gedenken: Probieren wir in diesem Sinne doch mal was Neues und nennen wir das Folgende eine kulturelle Verwunderungs-Markierung einer Sprache der Zukunft, von einem Zukunfts-Bot hergestellt \u2013 und das geht so: \u201eZwischen Synten*? und schlechoschalen* Naturten*? Sucht der Mensch? Auf der Galerne*? Nach seiner Branne* anderer Positionen*??????\u201c Und somit verlassen wir Polemia auch schon wieder. Bleibt an dieser Stelle nur zu sagen: Die KI schafft die Arbeit. Und es werden alle von den Entwicklungen profitieren, die davon profitieren werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1 Den Bot hat Gottfried Gaisbauer programmiert, der zu diesem Zeitpunkt f\u00fcr servus.at gearbeitet hat. Der Bot wurde bewusst unfertig gehalten.<\/p>\n<p>2 Gaia, die Titanen und Kronos \u2013 eine Geschichte f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Tanja Brandmayr<\/b> ist K\u00fcnstlerin und Schreiberin, arbeitet in der Stadtwerkstatt. Die erw\u00e4hnten Arbeiten von 2019: <a href=\"https:\/\/stwst48x5.stwst.at\/the_unfinished_language\">The Unfinished Language<\/a> und <a href=\"https:\/\/stwst48x5.stwst.at\/deep_drilling_for_contracts\">Deep Drilling for Contracts<\/a>. Die erw\u00e4hnten kaputten Linguisten sind eine Handvoll SprachwissenschaftlerInnen und LeserInnen, die nicht namentlich genannt werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/newcontext.stwst.at\/projects\/quasikunst\/start\">Quasikunst im STWST-Kontext<\/a><\/p>\n<p>Fotos: Sandrik<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>english version: coming soon! &nbsp; Der Text bezieht sich auf 2 Projekte, die 2019 im Rahmen von STWST48x5 STAY UNFINISHED umgesetzt wurden: \u201eThe Unfinished Language\u201c und \u201eDeep Drilling for Contracts\u201c. Sprache im Antiquasimodus Kaputte Linguisten arbeiten mit einem unfertigen Schreibbot: Ein Kurzbericht \u00fcber ein STWST-Schreibbot-Projekt des vergangenen Jahres, ein Wort-Deep-Drilling und dar\u00fcber, was \u201ean der Schnittstelle\u201c von Sprache und Medium alles \u201eerfahrbar gemacht\u201c werden konnte. Oder auch nicht. Vorausgeschickt kann<\/p>\n<p><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/en\/deep-drilling-und-sprache-im-antiquasimodus-2\/\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":870,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-861","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/861","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=861"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/861\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":871,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/861\/revisions\/871"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/870"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=861"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}