{"id":333,"date":"2017-03-06T14:29:40","date_gmt":"2017-03-06T13:29:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.quasikunst.at\/?page_id=333"},"modified":"2019-03-16T19:12:53","modified_gmt":"2019-03-16T18:12:53","slug":"nebel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/nebel\/","title":{"rendered":"Nebel"},"content":{"rendered":"<p>ENGLISH VERSION LEFT<\/p>\n<p><strong>FOG BALLETT<\/strong><\/p>\n<p><b>Nebel und die Aufhebung von Raum: Im September wurde im Rahmen von <a href=\"http:\/\/stwst48x2.stwst.at\/f.o.g._ballett\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">STWST48x2 das Fog Ballett<\/a> als Rauminstallation mit 2D-Brille gezeigt. Tanja Brandmayr \u00fcber ihr Projekt, ein <\/b><span lang=\"de-AT\"><b>Quasi-<\/b><\/span><b>Hologramm, menschliche Intentionen, einen umgedeuteten Ballettbegriff und den dialectic turn.<\/b><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-249\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fog-ballett_1ctanja-brandmayr-169x300.jpg\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fog-ballett_1ctanja-brandmayr-169x300.jpg 169w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fog-ballett_1ctanja-brandmayr.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/><\/p>\n<p><em>Quasikunstprojekt: Fog Ballett, Rauminstallation mit 2D-Brille, Stadtwerkstatt 2016;<br \/>\nNebel, Bewegungssequenz, Projektion, verschiedene Materialien, Text, 2016<\/em><\/p>\n<p><strong>FOG BALLETT<\/strong><\/p>\n<p><strong>Raum<\/strong><\/p>\n<p>Im Raum war eine Nebelmaschine platziert, die konstant Nebel in den Raum blies. Der Nebelmaschine wurde ein Projektor beigestellt, der auf eine Verdichtung von Nebelschwaden ein Bild projizierte: das eines sich abwechselnd stehenden und sich bewegenden K\u00f6rpers. Durch eine Situation von beiderseitig sich bewegenden Akteuren \u2013 ein bearbeitetes Bild eines sich bewegenden menschlichen K\u00f6rpers und ein Tr\u00e4germedium Nebel, der selbst permanent Form und Oberfl\u00e4che \u00e4nderte, entstanden Effekte von r\u00e4umlicher Wahrnehmung. Zwischen der Primitivit\u00e4t der Mittel und einem ausget\u00fcftelten Setting, das sich \u00fcber mehrere Stunden im Innenraum stabilisierte, entstand als Nebel-und-Licht-Zufallszauber inmitten von Dunkelheit ein Quasi-Hologramm einer menschlichen Figur. Mit einer sich doppelt bewegenden Figur und bemerkenswerten Effekten von Dreidimensionalit\u00e4t. Das \u00bbHologramm\u00ab war allerdings selbst wiederum nur von einer einzigen Perspektive zu sehen \u2013 und damit war die Frage gestellt, was wir \u00fcberhaupt in unseren Realit\u00e4ten zu sehen imstande sind, besonders wenn diese Realit\u00e4ten diffus werden.<br \/>\nIn der speziellen Situation des Raumes, auf den diese Arbeit ausgerichtet war, war diese Nebel-Situation zudem einerseits durch ein gro\u00dfes Glasfenster zu beobachten, das den Raum innen, an einer Seite zum Foyer, abschlie\u00dft, w\u00e4hrend man auf der anderen Seite des Au\u00dfenfensters bereits von weitem zur Stadtwerkstatt kommend, zu erkennen glaubte, dass hier das Haus quasi \u00bbbrannte\u00ab: Rauchwolken traten durchs Fenster aus, und mussten austreten, um die Situation im Innenraum stabil zu halten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-232\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Nebel_Fassade_cTanja-Brandmayr-e1488131699581-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Nebel_Fassade_cTanja-Brandmayr-e1488131699581-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Nebel_Fassade_cTanja-Brandmayr-e1488131699581-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Nebel_Fassade_cTanja-Brandmayr-e1488131699581-800x1067.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<p>Auf der einen Seite durch ein Glasfenster abgeschlossen und durch ein \u00bbglatt\u00ab einsehbares Interface als r\u00e4umliche Reduktion einsehbar (der Nebel hebt den Raum auf), geb\u00e4rdete sich der Raum auf der anderen Seite des rauchenden Fensters skulptural wild \u2013 als pulsierendes Zitat auf Brand, Katastrophe oder Maschinenzeitalter. Sprich, w\u00e4hrend wir uns auch fragen k\u00f6nnen, was wir \u00fcberhaupt in unseren glatten Realit\u00e4ten zu sehen imstande sind, und w\u00e4hrend wir etwa an der Glas-Innent\u00fcr des Raumes die feine Balance beobachten konnten, dass, w\u00e4hrend ein Mensch den Raum betritt, am Eingang eine kleine Menge Rauch austritt, also diesen zarten Austausch, m\u00fcssen wir anerkennen, dass auf der anderen Seite (des Fensters und des Au\u00dfen) diese Realit\u00e4ten, in denen wir leben, quasi immer noch mit Maschinenaufwand und innerhalb einer in jede Richtung brutalen \u00f6konomischen Wertsch\u00f6pfungskette hergestellt werden.<\/p>\n<p><strong>Fog<\/strong><\/p>\n<p>Nebel als Akteur im Innenraum: Zuerst zeigen sich Rauchwolken als immer wieder sich neu formierende dreidimensionale Zufallsgebilde. Die Schwaden verschleiern, verstecken, machen unsichtbar. Zunehmend bef\u00fcllt der Nebel den Raum und wird zu einer gleichverteilten dichten Masse. Er hebt den Raum auf, in dem er ihn gleicherma\u00dfen verbindet und unsichtbar macht. So das Verhalten des Akteurs Nebel im Raum, sofern nicht eingegriffen wird. Der Nebel war bei Fog Ballett allerdings nicht nur unbeeinflusst diesem Prozedere ausgesetzt, sondern es sollte ein derartiger Zustand von Nivellierung vermieden werden, damit der Nebel \u00fcberhaupt Tr\u00e4germedium einer Projektion werden konnte. Durch Verwirbelung rund um eine Kugel, sowie durch Zirkulation von Innen- und Au\u00dfenluft wurde eine fein ausbalancierte Situation hergestellt, die eine Projektion erst m\u00f6glich machte: Erst in diesem stabil gehaltenen Ungleichgewicht, das entgegen eine Gleichverteilung im Sinne einer statisch gewordenen \u00bbEntropie\u00ab und auch einer Nivellierung von Raum und Material arbeitete, konnte ein menschlicher K\u00f6rper sichtbar werden. Dieser menschliche K\u00f6rper als Co-Akteur konnte so erst seine Stellung als Akteur im Corps de Ballett behaupten. Er zeigte sich in einer Bewegungsschleife aus abrupt sich einleitenden Bewegungen, die in sich Zirkulation andeuteten, und andererseits in einem Stehen, das seinerseits zur Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr die Nebelbewegungen wurde. Innerhalb der Projektion entstanden in sich gegens\u00e4tzliche Bewegungen der beiden Akteure Nebel und Licht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-174\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fog_ballett_2_2-sandrik-169x300.jpg\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fog_ballett_2_2-sandrik-169x300.jpg 169w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fog_ballett_2_2-sandrik.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/><\/p>\n<p>Quasi in zauberischer Verschleierung kann dies als halbwegs dramatische Behauptung des klassischen menschlichen Akteurs gelesen werden \u2013 innerhalb einer Projektionsfl\u00e4che, die diffus verbindet und aufhebt, und die, was in der Natur der Sache liegt, in sich flexibel, keine fixen Fl\u00e4chen zu bilden imstande ist: So ist die sprachliche Wendung \u00bbBehauptung des menschlichen Akteurs\u00ab durchwegs nicht nur in seiner Fiktionalit\u00e4t gemeint, sondern schlichtweg als Behauptung der menschlichen Figur per se \u2013 Behauptung im Sinne ihrer Weigerung zu verschwinden. Nat\u00fcrlich markiert der Zauber der Gratwanderung dieser dennoch diffus wie dreidimensional wirkenden Erscheinung, der Zauber der Etablierung einer solchen Figur auf und in ein neues Medium den interessanten Punkt \u2013 letzten Endes auch als ein Zitat auf ein nicht verschwinden wollendes und k\u00f6nnendes Individuum.<\/p>\n<div style=\"width: 640px;\" class=\"wp-video\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('video');<\/script><![endif]-->\n<video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-333-1\" width=\"640\" height=\"360\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fog_ballett_test2_quer_klein.mp4?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fog_ballett_test2_quer_klein.mp4\">https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fog_ballett_test2_quer_klein.mp4<\/a><\/video><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was allerdings liegt dahinter, was liegt darunter? Wir haben es mit Nebel als Material zu tun, einem maschinell erzeugten Nebel, der, wie bereits oben angedeutet auch im Austreten durch das Fenster immer noch als Steam Machine gelesen werden kann. Andererseits markiert der Nebel im Raum in sich die beiden Gegen\u00e4tze seiner eigenen Existenz als der Akteur, als der er ausgerufen wurde, und ist andererseits Medium, der den Raum gleicherma\u00dfen verbindet wie aufhebt. Man k\u00f6nnte meinen, dass diese Aussage des gleichzeitigen Verbindens und Raum Aufhebens auch auf den Begriff Netzwerk zutrifft \u2013 er fiele dann als Akteur und Netzwerk ineinander \u2013 und in diesem Sinne bildet der Nebel hier Kommunikation mit allen seinen Akteuren im Nebel-Ballett, die da w\u00e4ren: Innenraum wie Au\u00dfenraum, mit Luftzug, Temperatur und Wetterverh\u00e4ltnissen, oder auch im Innenraum Licht, Projektion und ZuseherInnen. Jedenfalls: Etwas ist passiert (in dieser Szenerie), w\u00e4hrend doch nichts mehr zu passieren droht (in dieser Gleichverteilung, Nivellierung). Dieser Nebel verbindet die Dinge diffus, w\u00e4hrend der einzig interessante Fokus dort liegt, wo die Projektion stattfindet: Dort, wo der Blick auf den zuf\u00e4llig sich kreierenden Schwaden und Verwirbelungen im Licht liegt, und andererseits diese menschliche Figur im Fokus ihres gerade-nicht-Verschwindens, bzw ihrer gerade-schon-Etablierung liegt, nur dort passieren die Dinge, die nicht egal sind. Und in diesem Blick, in dieser existenziell fragilen Balance des Daseins oder nicht-Daseins liegt die Ruhe verborgen, die eigentlich br\u00fcchige Wahrheit innerhalb unseres Systems, das an sich am Abgrund steht, w\u00e4hrend einem rundum die Wahrheiten nur so um die Ohren geblasen werden. Und der Mensch im Gebl\u00e4se der Wahrheiten sch\u00fcttelt den Kopf wie eine Katze, der man ins Ohr bl\u00e4st. Leider aber kann man dann nichts h\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Fl\u00e4che<\/strong><\/p>\n<p>Beigelegt war der Rauminstallation eine so genannte, selbst gebastelte 2D-Brille, die als simple No-Tech-Pappendeckelbrille lediglich ein Auge freilie\u00df. Dieser gute oder schlechte Witz einer freiwilligen Reduktion auf sozusagen ein sehendes Auge, dieser vorgeschlagene Verzicht auf zwei Bilder, die in nicht ganz deckungsgleicher Perspektivenverschiebung im menschlichen Gehirn erst dreidimensionale Raumwahrnehmung m\u00f6glich macht, spielte mit dem Wechselspiel zwischen Raum und Bild, also ebenfalls zwischen 3D und \u00bb2D\u00ab. In gewisser Weise war das Fog Ballett auch hier eine Quasi-Inszenierung von Raum, von Dimension, Reduktion, Aufhebung, Erweiterung, Innenraum, Irrationalit\u00e4t und Kritik. W\u00e4hrend sozusagen \u00bbin Realit\u00e4t\u00ab gerade wieder ein interessanter Hype von 3D-Technologie stattfindet, handelt es sich bei dieser Pappendeckel-2D-Brille um eine bewusst gesetzte Reduktion, die einerseits auf Technologie referiert, die es als diejenigen Brillen schon gibt, und die ihrerseits auf einem Brillenglas ein Netzinterface vorschieben. Ohne weiteren Kommentar dazu. Durch Umkehrung, Reduktion und Erweiterung werden auch hier die Widerspr\u00fcche zwischen Abstraktion und menschlicher Dimension hin- und hergeschoben. Die 2D-Brille hier ist jedenfalls trockener Witz und zeitloses Statement auf die Abflachung von Welt. Behauptung ist hier die Thematisierung von Dimension \u2013 zwischen barbarischer Belanglosigkeit, konkret einer rasenden Technologieentwicklung und einer parallelen Durchrationalisierung aller Lebensbereiche, und dennoch wieder die Behauptung eines menschlichen Innenraums hinter dem sehenden Auge. Die 2D-Brille spielt mit paradoxer Kreation von dreidimensionaler Abbildung. Sie reduziert sich freiwillig. Darunter und dahinter liegen aber wieder andere Dinge, auf die es ankommt, bzw. die schlichtweg in ihrer Unsichtbarkeit vorhanden sind.<\/p>\n<p><strong>Ballett<\/strong><\/p>\n<p>Wie soll Nebel eigentlich tanzen lernen? Noch ein guter Witz in diesem Text, denn soviel ist klar: Er tanzt doch. Das Ballett als Begriff ist jedenfalls Platzhalter, der gerade wegen seiner offensichtlich hier nicht vorhandenen \u00fcblichen Bedeutungsaufladung des Tanzes etwas freih\u00e4lt. Wie bereits oben angesprochen: Das Ballett besteht aus Akteuren in Bewegung und Austausch: Innenraum, Au\u00dfenraum, Nebel, Licht, Projektion, Perspektive, ZuseherInnen, und auch Dingen wie Nebelmaschine, Ventilator, etc. Jedenfalls: Das ist der freigemachte Ballettbegriff. Das Ballett bezeichnet ein Zusammenwirken von verschiedenen Bestandteilen und anderen Akteuren, auch sehr weit auseinanderlaufenden, und letzten Endes f\u00fchrt das zu einer menschlichen Natur und bis zum widerst\u00e4ndigen Individuum. Das ist wohl das dahinterliegende Bedeutungstheater, das konstant beim Fog Ballett ausgerufen wird \u2013 und bezeichnet auch den angedeuteten dialectic turn, der die allseits vorhandenen, unaufl\u00f6slich sich verbunden habenden Widerspr\u00fcche in einem neuen Sinne behandeln muss, indem er ihnen eine Richtung eines neuen Materialismus gibt, der den Menschen zutr\u00e4glich ist.<\/p>\n<p>Selbst schon in seiner romantischsten Ausrichtung verband dieser Ballettbegriff die wahnwitzigen Gegens\u00e4tze von gro\u00dfer k\u00f6rperlicher Disziplin, andererseits gro\u00dfer Emotion. Bei Choreographie geht es immer um Zeit und Raum, um Form und Geometrie. Die basale Geometrie in der Romantik war die der vertikalen K\u00f6rperachse und der vertikalen Haltung. Kopf als Geist stand immer \u00fcber K\u00f6rper. K\u00f6rper wurde allenfalls geneigt und gedreht. Der wahnwitzige Versuch, nun auf Spitzensch\u00fchchen noch weiter nach oben zu wollen, l\u00e4sst sich dementsprechend als Gegenbewegung zu einem emotionalen Inneren lesen. Das ist meiner Meinung nach das eigentliche gro\u00dfes Drama der Romantik. Jedenfalls sind diese grunds\u00e4tzlichen Gegenbewegungen interessant. Und genau an dieser Thematik von grunds\u00e4tzlichen Gegens\u00e4tzen schlie\u00dft auch das Nebelballett an. Indem es den Ballettbegriff als strukturelle Leerstelle f\u00fcr eine andere Art des Zusammenwirkens nimmt und dann die Akteure und Komponenten komplett umbesetzt \u2013 und sich in Folge auch eine andere Erz\u00e4hlung mit anderer Dramaturgie aufbaut.<br \/>\nIn gewisser Weise ist das Nebelballett auch ein Symbol einer ganz anderen Form von Akteur, oder von Organisation, also der Organisation eines Akteurs, der ja keinen festen K\u00f6rper mehr besitzt. Der an sich die Gegens\u00e4tze eines Akteurs, der gleichzeitig sein Medium ist, behauptet. Das ist das eine. Es baut diese Gegens\u00e4tze in den Raum ein, die bereits angedeutet wurden: R\u00e4umlichkeit, Abflachung, die Aufhebung des Raums, die Gleichsetzung von Akteur und Medium, als Rauch und Nebel au\u00dferdem als Ph\u00e4nomen von Natur und Industrie gleicherma\u00dfen, quasi Dampfmaschinenzeitalter und Morgennebel in einem, quasi beginnende Industriegeschichte und zeitlose Natur; Das w\u00e4re dann einerseits der Zauber und andererseits das heutige Drama: Besonders eine recht heutige Gleichsetzung von Akteur und Medium, also eine Nivellierung, die Entropie alias Gleichverteilung, in der nichts mehr geht, also auch keine Projektion mehr funktioniert, und trotzdem Magie unter bestimmten Umst\u00e4nden entsteht \u2013 das braucht aber recht diffizile Voraussetzungen; und Kenntnisse \u00fcber die vielf\u00e4ltig beeinflusste Materie, die sich zu einem gewissen Grad auch zuf\u00e4llig verh\u00e4lt.<br \/>\nEin anderes Drama ist lediglich als zus\u00e4tzliches Bild entstanden. Es schlie\u00dft an die Ballettthematik der Kopf-K\u00f6rper-Vertikale an. Zwischen die Vertikale von &gt;head&lt; und &gt;body&lt; schiebt sich sozusagen eine \u00bbToE\u00ab. Als Hoffnung innerhalb einer allumfassenden Rationalisierung ist eine \u00bbTheory of Everything\u00ab somit an einen irrationalen Platz gelangt. Weiteres Bedeutungstheater der weit auseinanderlaufenden Gegens\u00e4tze also \u2013 und ihrer neu auszurufenden Verbindungen in anderen Anordnungen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-500\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/toe_quasi_tanja-170x300.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/toe_quasi_tanja-170x300.jpg 170w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/toe_quasi_tanja-768x1354.jpg 768w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/toe_quasi_tanja-581x1024.jpg 581w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/toe_quasi_tanja-800x1410.jpg 800w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/toe_quasi_tanja.jpg 995w\" sizes=\"auto, (max-width: 170px) 100vw, 170px\" \/><\/p>\n<p><strong>Kugel<\/strong><\/p>\n<p>Ein Wikipedia-Zitat aus der Akteur-Netzwerk-Theorie, also der ANT: \u00bbObjekte, die das Soziale binden, tragen und erzeugen, werden manchmal auch als Quasi-Objekte bezeichnet. Dieser Begriff ist von Michel Serres entlehnt und erfasst beispielsweise die Rolle eines Balls in einem Ballspiel. Dieser ist mehr als ein Mitspieler, ihm jagen die Spieler nach, er verbindet sie untereinander als Spieler und Gegner. Ein Quasi-Objekt ist ein das Soziale oder das Kollektiv webendes Objekt.\u00ab<br \/>\nEs ist kein Zufall, dass sich im Nebelballett die Akteure, die Spieler, T\u00e4nzer, die Dinge auf \u00e4hnliche Weise verstanden wollen wissen. Es gab dazu bereits einige Projekte und Texte und nicht umsonst ist dieses Projekt als Teil von STWST48-Quasikunst-Reihe gelaufen. Dementsprechend war \u00bbQuasikunst\u00ab formuliert als, \u00bba research initiative, conceived by Tanja Brandmayr for Stadtwerkstatt. Quasikunst in its research mode collects projects of low tech\/no tech which position themselves in new art contexts. There is a loose reference of Quasikunst to the existing terms of quasi objects and the irrational connections beneath a surface of rationality. While its dialectic turn can be considered very well known, on the other hand, it is an advanced form of it, aiming to construct a complex and extreme opposite way of thinking &#8211; like inconsistent oppositions talking on irrational contexts. Or opposite systems are correlating diffuse, creating paradox connections under a simple (or even mechanical) surface. So opposites are confronting each other, there is no solution in yes or no.\u00ab<\/p>\n<p>Mit dieser Thematik der \u00bbloose reference to the existing term of quasi objects\u00ab soll nun als letztes Element dieses inszenierten Bedeutungstheaters einerseits das Bild des Balls aufgenommen werden \u2013 und es wird ebenso \u00bbeine loose reference\u00ab auf ein Objekt gesetzt, das \u00fcblicherweise im Saal der Stadtwerkstatt h\u00e4ngt, in genau jener Anordnung, wie am Bild ersichtlich. Diese Kugel wurde abmontiert und wurde sp\u00e4ter in der Installation jenes Element, an dem der Nebel verwirbelt wurde, um \u00fcberhaupt eine sich verdichtende Wolke entstehen zu lassen, auf die konstant projiziert werden konnte. Mit diesem Element soll weiters aber nicht nur das verbindende Element des Balls im Spiel, sondern das dramatische Element der einander weit entgegenstehenden und weiter auseinanderdriftenden Gegens\u00e4tze inszeniert werden \u2013 also eine weitere Inszenierung von dramatischer Welt-Fallsetzung. Aus einem Zufall heraus haben sich w\u00e4hrend der Erarbeitung und Probenphasen des \u00bbFog Balletts\u00ab im Fr\u00fchjahr verschieden Verbindungen zu Wittgenstein eingestellt, bzw zu seinem ersten ber\u00fchmten Satz des \u00bbTractatus logico-philosophicus\u00ab: \u00bbDie Welt ist alles, was der Fall ist\u00ab. Wir nehmen also diese Kugel in ihrem nat\u00fcrlichen Habitat und nennen das die absolute Welt-Fallsetzung. Wir nehmen den Satz und kreieren zwei abgespaltene dunkle Bedeutungssatelliten, die auf die Weltfallsetzung mit zwei manipulierten, mutierten, paraphrasierten Aussagen einstrahlen: \u00bbDie Welt ist alles, was Zerfall ist\u00ab sowie: \u00bbDie Welt ist alles, was einem einf\u00e4llt\u00ab. Es ist so, als ob sich die beiden Aussagen, hier auf eine sich drehende Spiegelkugel geworfen, zu einer bedenklichen R\u00fcckspiegelung von Negation und Idiotie entwickelt hat, die sich allerdings in regelm\u00e4\u00dfiger Drehung best\u00e4ndig weiter im Raum verbreiten. Diese Welt-Fallsetzung konfrontiert mit t\u00f6dlichem Zerfall und dem zuf\u00e4lligen Momentum von permanent z\u00fcndender Banalit\u00e4t setzt jene Drastik frei, die uns umgibt. K\u00f6rper und Grundlagen fallen auseinander, k\u00f6nnen sich nicht mehr formieren. Dahergedachtes erzeugt Beliebigkeit. Das alles erzeugt quasi gleichverteilte Raumoberfl\u00e4chen, also eine Pathologie der Logik, die letztenendes reales Elend kreiert. Es scheint, dass sich diese Zust\u00e4nde bereits nebelhaft und entropisch gleichverteilt haben und eine diffuse Atmosph\u00e4re der Handlungshemmung hinterlassen haben. Bei diesem Exempel einer neuen Welt-Fallsetzungen hat einen jedenfalls entweder der gute Geist oder \u00fcberhaupt der Geist verlassen. Die neue Dialektik der Logik also \u2013 Altar der Rationalisierung und gleichzeitig Abgesang. Weiter angetrieben von geschichtslosen und menschenleeren Automatismen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-176\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/z_alles-was_2_ctanja.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"188\" \/><\/p>\n<p>Dieses Wittgenstein-Zitat ist deshalb interessant, das ist zumindest der Ansatz dieser \u00dcberlegung, dass der Tractatus in gewisser Weise als Programmiersprache gelesen werden kann: Es waren logisch aufgebaute S\u00e4tze und Satzhierarchien. Und es gibt ja diese Freundschaft Wittgensteins mit dem Mathematiker Bertrand Russell, der seinerseits ein mathematisches Axiomensystem, die \u00bbPrincipia Mathematica\u00ab und einen \u00bblogischen Atomismus\u00ab verfasst hat, was zuerst und l\u00e4ngere Zeit kaum jemand interessiert hat. Sp\u00e4ter kamen aber etwa G\u00f6del, Turing, aber immer noch ganz wenige Leute haben verstanden, was da \u00fcberhaupt gemacht wurde. Und aus dieser filigranen Geschichtslinie dieser wenigen Wissenschaftler wurde quasi Rechenmaschine, PC und Internet \u2026 Und am Ende steht dieses gleichverteilte Nichts von Automatismen-Entropia. Insofern ist dieses \u00bbDie Welt ist alles, was der Fall ist\u00ab in meiner Inszenierung im Zeitraffer zu sehen \u2013 es hat den Logikaufbruch zu einem Logikabgesang gemacht, zu Zerfall und Beliebigkeit. Denn inzwischen wurde aus Philosophie und Logik der Computer und die Digitalisierung der Welt, die fortschreitende Verrechnung und Verramschung des Raumes auf Nulldimension-Innenraum. Die Kontrolle des menschlichen Inneren. Insofern ist die Welt nicht mehr alles, was einmal der Fall war. Wittgensteins anderer ber\u00fchmter fr\u00fcher Satz \u00bbWovon man nicht sprechen kann, dar\u00fcber muss man schweigen\u00ab, ein Satz, der die Logik quasi totalit\u00e4r macht, wurde auch damit erg\u00e4nzt, dass die Dinge, \u00fcber die man nicht sprechen k\u00f6nne, die einzigen w\u00e4ren, die wahrhaft wichtig sind. Leider wird ein solches Schweigen gerne als irrational und irrelevant disqualifiziert. Schweigen w\u00e4re demnach aber der wichtige Kontrapunkt zum logischen Sprechen \u2013 und alles, wor\u00fcber man nicht logisch sprechen k\u00f6nne, w\u00fcrde alle Momente von Irrationalit\u00e4t, Unentschiedenheit, Magie, Wunder, Mystik, Kunst, Poesie, Musik, Tr\u00e4umen und auch Schmerz inkludieren. Was nat\u00fcrlich auch die Kunst wei\u00df. Oder auch die neue irrationale QuasiKunst-ToE zwischen &gt;Head&lt; und &gt;Body&lt;.<\/p>\n<p><strong>Am Ende<\/strong><\/p>\n<p>Will noch gesagt sein: Dass die Besch\u00e4ftigung mit so hermeneutischen Dingen wie Kunst etc. auch in einem noch dramatischeren Ausma\u00df gegen andere Dinge steht. Denn obwohl es gerade in der Kunst um m\u00f6glichst genaue Benennung von Dingen gehen muss, oder um Substanzen und Medien, die quasi heutiges Material darstellen sollen, sollte man die Welt hereinnehmen und muss gleichzeitig dennoch anf\u00fcgen, dass vielen Menschen Kunst herzlich egal ist. Gerade heute, und wie es sich ganz bizarr darstellt, dass sich Menschen in einer Art Alltagsdramatik aber \u00fcberhaupt lieber ein Gewehr kaufen um Schie\u00df\u00fcbungen zu machen, damit sie f\u00fcr einen B\u00fcrgerkrieg oder \u00fcberhaupt den dritten Weltkrieg ger\u00fcstet sind, scheint das so. Das sind die realen dramatischen Entwicklungen, um die Unworte zu bem\u00fchen: die realen dramatischen Entwicklungen in der postfaktischen Vernebelung. Gleichsam der diffus verbindende Nebel mit brisanten Gef\u00fchlen und Meinungen drinnen, die als einziges noch gelten, weil sich eben kaum mehr etwas formieren kann in diesen nivellierten Zust\u00e4nden. Zust\u00e4nde, die sich irgendwie formieren m\u00f6chten, aber zu nichts werden, au\u00dfer zu verzerrten und verungl\u00fcckten Projektionen. Das ist alles bizarr und unglaublich. Ja, ein neuer dialectic turn w\u00e4re angesagt, ein neuer Materialismus. Geschichte, Aufschichtung und Wissen. Verantwortung. Fragmentierung und Dekonstruktion sind die Dinge, die wir sowieso haben. Es wird sich etwas bewegen m\u00fcssen. Wahrscheinlich sollte man als ganz Erstes zu alldem aber schweigen. Idealerweise w\u00e4re das in vielen Situationen der Betrachtung der Fall, oder bei einem Text wie diesen, wenn man ihn in seiner nebul\u00f6sen Wanderung gerne geschrieben hat und dann ratlos endet \u2013 oder ihn gerne gelesen hat und anschlie\u00dfend aber keine Ahnung mehr hat, was drinnen gestanden ist. Also zum Beispiel jetzt.<\/p>\n<p>Spatial Turn is over.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2018 wurde das Nebelballett in einer weiteren Version <a href=\"http:\/\/www.gfk-ooe.at\/event\/fog-ballett\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in der gfk<\/a> gezeigt. Text im gfk-Magazin &#8211; <a href=\"https:\/\/issuu.com\/gfk_ooe\/docs\/ansicht05_gfk01_2018_72dpi\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verschwinden #1 2018, Seite 22\/23<\/a><br \/>\n<strong>Victoria Windtner<\/strong> hat dazu <a href=\"https:\/\/victoriawindtner.wordpress.com\/2018\/03\/07\/silhouetten-im-tanzenden-nebel-fog-ballett-by-tanja-brandmayr\/#more-3342\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in ihrem Blog<\/a> einen Text geschrieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mehr \u00fcber Quasikunst auf dieser <a href=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/about-quasi\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Intro-Seite<\/a> und im <a href=\"https:\/\/newcontext.stwst.at\/projects:quasikunst\/start\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stadtwerkstatt-Kontext<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ENGLISH VERSION LEFT FOG BALLETT Nebel und die Aufhebung von Raum: Im September wurde im Rahmen von STWST48x2 das Fog Ballett als Rauminstallation mit 2D-Brille gezeigt. Tanja Brandmayr \u00fcber ihr Projekt, ein Quasi-Hologramm, menschliche Intentionen, einen umgedeuteten Ballettbegriff und den dialectic turn. Quasikunstprojekt: Fog Ballett, Rauminstallation mit 2D-Brille, Stadtwerkstatt 2016; Nebel, Bewegungssequenz, Projektion, verschiedene Materialien, Text, 2016 FOG BALLETT Raum Im Raum war eine Nebelmaschine platziert, die konstant Nebel in<\/p>\n<p><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/nebel\/\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":248,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-333","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/333","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=333"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/333\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":810,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/333\/revisions\/810"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/248"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=333"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}