{"id":314,"date":"2017-03-06T06:35:22","date_gmt":"2017-03-06T05:35:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.quasikunst.at\/?page_id=314"},"modified":"2019-03-16T19:10:28","modified_gmt":"2019-03-16T18:10:28","slug":"kulturfrauen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/kulturfrauen\/","title":{"rendered":"Kulturfrauen"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>&#8222;If I Were A Dancer And I Had A Square&#8220;<\/strong>, Kulturfrauenballett, Teil 2, ein Projekt von Tanja Brandmayr in Kooperation mit Kunstraum Goethestrasse xtd., <strong>2016<\/strong>. <span lang=\"de-AT\"><strong>Fotos, Videos,<\/strong><\/span><b> <\/b><strong>Tanzpraxis, Recherche und performative Inszenierung<\/strong><strong>.<\/strong><\/em><br \/>\nW\u00e4hrend der verschiedenen Projektphasen und vor allem auch in der anschlie\u00dfenden Reflexion ist dieser Text entstanden, der besonders in seinem erweiterten Material- und Kollektivverst\u00e4ndnis auf den Quasikunst-Begriff referiert.<\/p>\n<p><strong>If I Were A Dancer And I Had A Square<\/strong><\/p>\n<p><strong>8 gedankliche Bewegungen \u00fcber das Kulturfrauenballett, Teil 2. Von Tanja Brandmayr. <\/strong><\/p>\n<p><em><strong>1 Was ist das Kulturfrauenballett?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Das Kulturfrauenballett setzt sich aus Frauen zusammen, die in unterschiedlichen Feldern der Kunst und Kultur arbeiten \u2013 nur nicht im Tanz. Wir haben viele T\u00e4tigkeitsfelder versammelt, zum Beispiel Performerin, Kulturjournalistin, K\u00fcnstlerin, Stadtteilarbeiterin, Kuratorin. Es gibt also, au\u00dfer mir selbst, kein herk\u00f6mmliches darstellerisches Personal im Ballett. Im ersten Teil, der 2013 pr\u00e4sentiert wurde, waren Titel und Thema deshalb sogar: \u201eIf I Were A Dancer, Then \u2026\u201c. Damals wurde durch die Herstellung eines jeweils individuellen Bildes als T\u00e4nzerin und danach durch die gemeinsame Tanzpraxis dieser Konjunktiv selbst ins Zentrum der Auseinandersetzung gestellt. Das \u201eIf I Were\u201c war, wenn man so will, eine gro\u00dfe spielerisch-unbekannte M\u00f6glichkeitsform. Diese spielerisch-unbekannte M\u00f6glichkeitsform war einerseits selbst Thematik, andererseits er\u00f6ffneten sich exemplarisch spezielle Fragestellungen in diesem Zusammenhang: Zu welchen zeitgen\u00f6ssischen Tanzformen tendiere ich? Welche Pose w\u00fcrde ich einnehmen? Wie ist es, wenn nach dem Entwurf dieses Wunschbildes tats\u00e4chlich getanzt wird, wenn ich mich sozusagen der Realit\u00e4t des Tanzes, des K\u00f6rpers und des Tuns stellen muss \u2013 gemeinsam mit den anderen, die auch mit etwas Neuem konfrontiert sind?<\/p>\n<p>Das ist vielleicht sogar das gr\u00f6\u00dfere Setting des Kulturfrauenballetts: Die Tanzfl\u00e4che als exemplarisch \u201eAnderes\u201c, als M\u00f6glichkeit und Transformation. Der Ballettk\u00f6rper besteht aus professionellen Akteurinnen im Kunst- und Kulturfeld, aber nicht aus T\u00e4nzerinnen. Deshalb ist sicher ein gro\u00dfes Anliegen die Transformation selbst, um zu etwas Anderem zu kommen. Die Behauptung ist nun, dass sich die vorhandene professionelle Expertinnenschaft anders \u00fcbertr\u00e4gt, eben nicht mit der direkten Expertise zu etwas, sondern als strategisch Offenes; das sich exemplarisch in den Tanz und gleichzeitig eben auf das gr\u00f6\u00dfere gemeinsame Ganze \u00fcbertr\u00e4gt. Weil es auch um dieses gemeinsame Ganze des \u201eBalletts\u201c geht, integriert es auch den Begriff der Zusammenarbeit. Es thematisiert aber vielmehr ein Zusammenwirken, das per se nicht n\u00e4her definiert ist. Denn Zusammen<em>arbeit<\/em> stellt ja eher den konkreten Plan und das konkrete Ergebnis ins Zentrum des Tuns. Dieses Zusammen<em>wirken<\/em> baut im Prozess nicht auf direkte Umsetzung auf, sondern eben auf unbestimmte Transformation und das Offene an sich.<\/p>\n<p>Das ist kein ganz leichtes Unterfangen, das mit Widerspr\u00fcchen arbeitet. Der gr\u00f6\u00dfte dabei ist schon alleine, dass wir gleichzeitig keine T\u00e4nzerinnen sind und das ja doch behaupten: als Kulturfrauenballett, das aber immerhin in seinen Titeln den Konjunktiv w\u00e4hlt. Das zeigt nun auch der Titel dieses zweiten Teils des Kulturfrauenballetts \u201eIf I Were A Dancer And I Had A Square\u201c. Wir sind hier zwar nicht \u201esquare\u201c, aber wir haben uns sozusagen einige Squares angeeignet. Wir nehmen uns zuerst Raum \u2013 als Boden und Basis f\u00fcr den Tanz und sein choreographisches \u201ein-den Raum-Schreiben\u201c, was Choreographie ja umgelegt bedeutet. Aber, und jetzt der weitere Gegensatz: Nach diesem oben genannten ersten Teil, der eher die eigene M\u00f6glichkeit des Dancers selbst thematisiert hat, geht es im zweiten Teil auch um diese quadratische Fl\u00e4che und den gemeinsamen Raum: Die Bewegung im exemplarisch aufgeschlagenen Quadrat hat den Aspekt der Kollektivit\u00e4t bef\u00f6rdert \u2013 denn es ist unm\u00f6glich, eine gemeinsame Choreographie in einem Quadrat auszuf\u00fchren, ohne gleichzeitig sich selbst und den anderen gegen\u00fcber h\u00f6chst aufmerksam zu sein. Wir haben hier ohne Musik gearbeitet, neben dem Sehen au\u00dferdem den Atem als weitere Qualit\u00e4t der Aufmerksamkeit dazu genommen. Das Quadrat steht hier sozusagen f\u00fcr ein Feld des Individuellen wie Kollektiven. Dieses Thema des Gemeinsamen und des Individuellen wurde in der Tanzpraxis selbst zutage gef\u00f6rdert um es zwischen Reden und Bewegung hin und her zu transformieren. Zuletzt sind mehrere Varianten von relativ reduzierten Bewegungspatterns entstanden, die mit speziellen Orten kontextualisiert wurden. Die Raumnahme dieser Quadratfl\u00e4chen f\u00fchrte dann sp\u00e4ter in erweiterte \u00f6ffentliche R\u00e4ume und die Natur.<\/p>\n<div id=\"attachment_257\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-257\" class=\"alignnone size-medium wp-image-430\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/square_schnee_foto-reinhard-winkler-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/square_schnee_foto-reinhard-winkler-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/square_schnee_foto-reinhard-winkler-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/square_schnee_foto-reinhard-winkler-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/square_schnee_foto-reinhard-winkler-800x533.jpg 800w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/square_schnee_foto-reinhard-winkler.jpg 1800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-257\" class=\"wp-caption-text\">Schneefeld, Ausstellungsdetail, Foto: Reinhard Winkler<\/p><\/div>\n<p><em><strong>2 Der Begriff der Professionalit\u00e4t.<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>Dieser Begriff ist deshalb relevant, weil das Kulturfrauenballett nicht aus professionellen T\u00e4nzerinnen besteht und bewusst mit einer Verschiebung hinsichtlich \u201eProfessionalit\u00e4t\u201c arbeitet. \u201eProfessionell\u201c ist zumindest manchmal ein abgespultes Rezept zur Herstellung von bestimmten Oberfl\u00e4chen. Besonders in der Kunst ist das kritisch zu hinterfragen, denn unreflektiertes Produzieren nach Schema X will ein k\u00fcnstlerisch angelegter Prozess an sich nicht. Andererseits sp\u00fcren aber viele T\u00e4tigen im kulturellen Feld starke Reglementierungen, Disziplinierungen oder \u201eSachzw\u00e4nge\u201c, auch und trotz ihrer Professionalit\u00e4t. Diese offen angelegte Transformation des Professionsbegriffs ist damit ganz zentral. Zur &#8222;Professionalit\u00e4t&#8220; sagt das Kulturfrauenballett zwar ja, aber auch gleichzeitig nein. Soweit zu einer Konstruktion von Rahmenbedingungen, die andere Fragen stellt; oder zu einem anderen Setting, das in gewisser Weise anderes Material unter den Oberfl\u00e4chen hervorholen soll. Ohne dass dieses Material gleich in bestimmte Aussagen hineingef\u00fchrt werden soll. Im Prinzip ist dieses Ballett zuerst eine v\u00f6llige Leerfl\u00e4che, um darauf ganz Verschiedenes zu versammeln, diverses Material, und dann in einer Anh\u00e4ufung von methodischen Zug\u00e4ngen das Wollen und die Intention zu thematisieren: Denn ganz im Kern thematisiert sich das Kulturfrauenballett selbst. Mit seinem &#8222;immateriellen Material&#8220;, das jede einzelne sozusagen ganz selbstverst\u00e4ndlich als Wissens- und Erfahrungsumfeld mitbringt. Unser Material ist also auch das Wissen und die Erfahrung der Einzelnen und der Gruppe. Daraus entwickeln sich Fragestellungen. Oder diese Fragen waren schon da und haben sich sozusagen parallel zur Bewegung herausgearbeitet. Wir haben in diesem zweiten Teil oft \u00fcber dieses Verh\u00e4ltnis von Individuum und Kollektiv gesprochen und probiert, wo und wie die Verst\u00e4ndigung dar\u00fcber passiert. Was wollen wir als Gruppe und Einzelpersonen innerhalb dieser methodischen Tools und Beschlagwortungen \u2013 wo sind unsere Freir\u00e4ume, wo ist unser pers\u00f6nliches Square, auf dem wir uns bewegen k\u00f6nnen? Wo ist unser Dancefloor? Der Dancefloor und das Square waren durchaus direkt gemeint, aber auch im \u00fcbertragenen Sinn.<\/p>\n<p>Jede von uns besteht ja zudem, sozusagen in sich, auch aus einer Ansammlung einer unendlich gro\u00dfen Anzahl von Bildern, Referenzen, Einfl\u00fcssen, Menschen, Dingen, Gegenst\u00e4nden, Gedanken, etc. Ich habe mich etwa in einer \u00dcberlegung zu Beginn einmal selbst als Kollektiv zu verstehen versucht: Von den Menschen und Dingen, die mir wichtig sind; diesen, sagen wir zehn wichtigen Dingen und Zusammenh\u00e4ngen, die etwas Bestimmtes f\u00fcr mich bedeuten. Ich habe in dieser \u00dcberlegung, mich zuerst einmal selbst als mein eigenes Kollektiv zu verstehen, in einer praktischen Umsetzung mein eigenes inneres Kollektiv beispielhaft mit B\u00fcchern gemacht. Das ginge nat\u00fcrlich auch mit andern Dingen, mit Menschen, dem Bild eines Tieres, einem Kunstgegenstand, mit Essen oder einer Topfpflanze, \u00fcberhaupt mit allem und auch mit mehr als zehn Dingen. Aber, generell: Stell dir vor, du verstehst dich zuerst selbst als inneres Kollektiv. Und mit diesem eigenen inneren Kollektives trittst du dann in Kontakt mit den anderen Menschen, die auch ihre eigenen inneren Kollektive um sich ausbreiten. Mit dieser Idee wird es dann gleicherma\u00dfen kompliziert wie interessant, sich danach \u00fcberhaupt erst und vielleicht irgendwann als Teil eines Kollektivs mit anderen Menschen sehen zu k\u00f6nnen. An einem Punkt meiner pers\u00f6nlichen \u00dcberlegungen zum Ballett und seiner prinzipiell v\u00f6llig offenen Definition war dies auch tats\u00e4chlich ein zentraler Punkt, sozusagen mit genau diesem Ansatz, der auch die Materialfrage betrifft, vorzugehen. Nicht nur mich und die teilnehmenden Personen als T\u00e4nzerinnen\u201cmaterial\u201c zu sehen, sondern sozusagen jede Teilnehmerin zuerst als ihr eigenes inneres Kollektiv zu verstehen, und dieses Immaterielle auch als Material zu verstehen. Eine Zugangsweise, die f\u00fcr Frauen aus dem zeitgen\u00f6ssischen Kulturfeld gerade mal gut genug ist. Und f\u00fcr diese Behauptung lie\u00dfen sich auch sicher einige \u00e4ltere und neuere Referenzen aus Kunst, Philosophie, Soziologie und Kulturtheorie finden. Jedenfalls, die Behauptung f\u00fcr die erweiterte Materialfrage: Im Inneren einer einzelnen Person wohnen zuerst viele Dinge. Und auch diese Dinge treten miteinander in Kontakt. Zum Beispiel wohnen in mir, wie eben auch in den meisten anderen, neben den vielen angesprochenen Dingen, Gegenst\u00e4nden, Menschen, Gedankengebilden, emotionalen Zusammenh\u00e4ngen, auch unterschiedliche auseinanderdriftende berufliche Zusammenh\u00e4nge. Das ist ja bei vielen Menschen so, bei beinahe bei allen Protagonistinnen des freien Kulturschaffens: Viele berufliche und auch private Arbeits- und T\u00e4tigkeitsfelder m\u00fcssen vereinbart werden. Deshalb fiel es den teilnehmenden Kulturfrauen vielleicht auch gar nicht schwer, jetzt noch ein Ding dazu zu nehmen: Na gut, wir sind jetzt auch noch T\u00e4nzerinnen. Schauen wir mal. Es ist ja au\u00dferdem auch ein Versuch, wie oben schon gesagt, des Zusammenwirkens und nicht des Zusammenarbeitens. Das macht das ganze offener und unbeschwerter.<\/p>\n<div id=\"attachment_257\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-257\" class=\"alignnone size-medium wp-image-428\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_schnee_foto_reinhard-winkler-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_schnee_foto_reinhard-winkler-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_schnee_foto_reinhard-winkler-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_schnee_foto_reinhard-winkler-250x250.jpg 250w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_schnee_foto_reinhard-winkler.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-257\" class=\"wp-caption-text\">Bei der Pr\u00e4sentation als Fotos und Video zu sehen. Foto: Reinhard Winkler<\/p><\/div>\n<p><em><strong>3 Die konkrete Methode und Umsetzung.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>In der Tanzpraxis wurden gemeinsame Felder konkret und deutlich definiert \u2013 eben in Form mehrere markierter Quadrate auf dem Boden. Innerhalb dieser Quadrate mit zwei Metern Seitenl\u00e4nge haben wir dann Bewegung und eine Choreographie erarbeitet und gemeinsame Impulse ausgelotet, die auf einer nichtsprachlichen Ebene das gemeinsame Momentum untersuchten. Das ergab eine hochkonzentrierte Arbeit, mit jeweils ein bis vier Personen im Quadrat, sozusagen als Arbeit \u201emit mir und den anderen\u201c, die in mehrere Varianten im Bereich der Tanzpraxis ausgef\u00fchrt wurde \u2013 in einer unglaublich sch\u00f6nen Variabilit\u00e4t und mit einer derartig faszinierenden Mischung aus Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit, dass es wirklich schade ist, dass es aus diesem ganzen Tanzpraxis-Teil keine Aufzeichnungen dar\u00fcber gibt. Was wiederum Abmachung war \u2013 um nicht von vorneherein bestimmte Dinge herzustellen. Das Thema des Quadrats hat innerhalb unserer Tanzpraxis jedenfalls f\u00fcr weiteren Gespr\u00e4chsstoff gesorgt. Und insofern hat das Kulturfrauenballett in der inszenatorischen Umsetzung einige Zeit sp\u00e4ter verschiedene einzelne Quadrate in erweiterten \u00f6ffentlichen R\u00e4umen aufschlagen und die Behauptungen hinsichtlich Individuum und Kollektiv, choreographischer Planung und pers\u00f6nlicher Ausdeutung der \u00dcberpr\u00fcfung unterzogen, eine \u00dcberpr\u00fcfung, die ohne konkretes Ergebnis geblieben ist. Dieser Teil einer inszenatorischen Umsetzung, bzw eines gew\u00e4hlten Settings wurde jedenfalls filmisch und fotografisch dokumentiert \u2013 und ist eben in eine Pr\u00e4sentation geflossen.<\/p>\n<div id=\"attachment_257\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-257\" class=\"alignnone size-medium wp-image-429\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_sea_foto_reinhard-winkler-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_sea_foto_reinhard-winkler-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_sea_foto_reinhard-winkler.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-257\" class=\"wp-caption-text\">Das Quadrat im Meer gehen, Fotos\/Video. Foto: Reinhard Winkler<\/p><\/div>\n<p><em><strong>4 Ans\u00e4tze hinsichtlich einer unbestimmten t\u00e4nzerischen \u00c4sthetik oder Tradition. <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wichtig ist zuerst Bewegung, die sonst nicht im Zentrum der T\u00e4tigkeit steht. Diese vorsichtige Formulierung soll ausdr\u00fccken, dass wir zwar keinerlei Illusionen \u00fcber unsere T\u00e4nzerinnenschaft haben, uns aber schon erlauben wollen, mit zeitgen\u00f6ssisch-technischem Grundvokabular und anderen Vorgaben aus dem Referenzfeld des Tanzes zumindest lustvolle Reibungsfl\u00e4chen zu erzeugen. Diese Besch\u00e4ftigung mit Bewegung wird allerdings wieder anders transformiert, als dass es sch\u00f6n und richtig werden muss. Dazu passt, was jetzt rein die Ausf\u00fchrung von Bewegung betrifft, eine bestimmte Erkenntnis aus einem Bewegungszugangs, eine Methode eines gering definierten bewegungs\u00f6konomischen Aufwands. Das ist sozusagen einer meiner pers\u00f6nlichen Lieblingsans\u00e4tze der Bewegung, meines Erachtens hochaktuell: Die m\u00fcde Bewegungs\u00f6konomie. Mach mit m\u00f6glichst wenig Aufwand einen Impuls an Ergebnis. Das ist in hyperaktiven Zeiten geradezu hochinteressant: die M\u00fcdigkeit und die Vorstellung, die Dinge in M\u00fcdigkeit auszuf\u00fchren. Und damit die Untersuchung, wo der notwendige Impuls, die Impulse herkommen \u2013 das wird in einer heruntergefahrenen Bewegungs\u00f6konomie viel klarer. Und darauf l\u00e4sst sich dann aufbauen. Und es l\u00e4sst die nichtsprachliche Kommunikation \u00fcber diese Impulse zu. Diese Untersuchung machen \u00fcbrigens t\u00e4nzerische Nicht-Professionistinnen hochkonzentriert und sehr \u00fcberzeugend. Ganz generell bewegt sich das Bewegungsspektrum am zeitgen\u00f6ssischem Tanz, aber da auch eher an einer losen Grenze des Allt\u00e4glichen zum Artifiziellen, wie viel kann man integrieren, dass es zwar nicht mehr Alltagsbewegung ist, aber auch noch nicht wirklich Tanz. Man merkt, es ist mehr als Alltag. Bevor es aber etwa als Tanz einordenbar wird, sagt der Ballettk\u00f6rper dann schnell: \u201eNein, Tanz bin ich doch nicht\u201c, und macht gerade noch die Kurve zu etwas anderem. Die Frage w\u00e4re dann logischerweise: Aber zu welchem anderen? Dieses offen gehaltene Andere ist dann vielleicht genau wieder die Leerstelle, die es weiter offenzuhalten gilt. Generell ist das Interesse hier ein freieres, deshalb vielleicht der paradoxe R\u00fcckgriff auf den Ballettbegriff. Denn den Ballettbegriff mit einem Haufen Nicht-K\u00f6nnerinnen des Balletts, einschlie\u00dflich mir, ernst zu nehmen, das w\u00e4re ja geradezu absurd. Stattdessen: das t\u00e4nzerisch m\u00f6glichst reduzierte Arbeiten und trotzdem die hochseri\u00f6se eigene \u00dcberpr\u00fcfung. Man k\u00f6nnte vielleicht sagen, dass dies alles Fluchtpunkte einer gut angelegten auseinanderdriftenden Konstruktion sind: Ich und die Kunstform, ich und die Kunstsparten, ich und die anderen. Ich und die M\u00fcdigkeit. Ich und etcetc.<\/p>\n<div id=\"attachment_257\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-257\" class=\"alignnone size-medium wp-image-432\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrauenB_square_work_foto_reinhard-winkler-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrauenB_square_work_foto_reinhard-winkler-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrauenB_square_work_foto_reinhard-winkler.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-257\" class=\"wp-caption-text\">Atemchoreographische Elemente in einer Umgebung mit N\u00e4hmaschinen. Fotos\/Video. Foto: Reinhard Winkler<\/p><\/div>\n<p><em><strong>5 Andere Diskurs- und Kunstkontexte.<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>\u00dcber den Kollektivbegriff als solchen wurde in den verschiedenen Gruppenkonstellationen \u00f6fters geredet. Ich glaube, es gibt dazu keine Einigkeit. Aber wir haben uns als Gruppe in Gedanken und Praxis mit kollektiven Aspekten auseinandergesetzt. Man kann sagen, wir haben \u00dcberlegungen zur Kollektivit\u00e4t in Bewegung transformiert. Wir verstehen uns sicher nicht als Kollektiv im eigentlichen Sinn. Und das m\u00fcssen wir auch nicht: Denn wir sind ja ein Ballett. Das wir wiederum auch nicht sind.<\/p>\n<p>Der Begriff der Performance ist vielleicht auch hilfreich, als experimenteller, prozesshafter, fragmentarischer und k\u00f6rperlich angelegter Akt der Subjekte. Die Performance ist meines Wissens auch gekennzeichnet als definitorische Verwandlung des \u201eMetaphysischen\u201c ins Physische: Schreien, Agieren, nackte K\u00f6rper, etc, \u2026 versus die metaphysischen Ideen zuvor. Die Bilder und Klischees dazu sind bekannt: \u201eDas Andere\u201c wird sozusagen hier durch direkte Aktion und Wirkung k\u00f6rperlich erfahrbar, und selbstredend wurde das von den jeweiligen Zeitgenossen zuerst oft mit Befremden wahrgenommen. Das Kulturfrauenballett tickt hier anders, hat aber im Prozesshaften und nat\u00fcrlich auch im K\u00f6rperlichen auf jeden Fall auch ein Kerninteresse. Andererseits ist es gegen\u00fcber dieser oben genannten Performance-Definition des ausagierten K\u00f6rperlichen fast r\u00fchrend ignorant und beil\u00e4ufig klassisch. Das Andere und das Befremden tauchen aber wieder auf, ich glaube, gerade mit der offenen Fragestellung, was denn dieses Ballett eigentlich sei \u2013 und vielleicht wegen dieser Geste des Hereinholens eines nicht n\u00e4her definierten Immateriellen. Das geschieht nicht als proklamierte Hinwendung zu einer \u201eneuen k\u00fcnstlerischen Form\u201c oder spektakul\u00e4re Ablehnung einer \u201e\u00fcberkommenen Form\u201c, sondern als gut konstruiertes, r\u00e4tselhaft unspektakul\u00e4res Paradox in einem gegens\u00e4tzlich angelegten Setting: als reine Abstraktion der Leerfl\u00e4che, die dennoch Tanzfl\u00e4che ist, als Abstraktion einer Wiederintegration, einer Metapher \u00fcber eine Leerfl\u00e4che des K\u00f6nnens. Denn das Nichtverm\u00f6gen als professionelle T\u00e4nzerin muss durch Erproben und anderes professionelles Wissen kompensiert werden. So ein Gestus einer Wiederintegration eines Unbekannten, eines \u201eAnderen\u201c, ist eine pers\u00f6nliche Strategie oder Ann\u00e4herung, die zwangsl\u00e4ufig gemacht werden muss, wenn etwas wie ein Ballett gemacht werden will, aber das Ballett selbst eine Leerstelle ist und die Professionalit\u00e4t der jeweiligen Sparte nicht bem\u00fcht werden kann, weil sie schlichtweg nicht vorhanden ist. So gesehen kann man die untergr\u00fcndige Materialit\u00e4t jeder Einzelnen sozusagen als Hoffnung ins Treffen f\u00fchren. Jede Einzelne bringt ihrerseits Dinge mit, von denen man nicht genau wei\u00df, wie sie einflie\u00dfen. Ein sehr abstraktes Setting einerseits. Andererseits hat es uns viele staunende, praktische und auch lustige Erlebnisse gebracht \u2013 in Tanzpraxisstunden, die, falls sich das so anh\u00f6rt, weniger das Innere aus uns herausagitiert haben, oder gar irgendwie theoretische Anstrengung bedeutet haben, als dass sie ein gro\u00dfes, am\u00fcsiertes Fragezeichen beim Tanzen stets \u00fcber den K\u00f6pfen und K\u00f6rpern pr\u00e4sent hielten. Abgesehen von dieser neugierigen Bewegungslust, haben wir uns in dem vorhin angesprochenen konkreten Bewegungsaspekt der M\u00fcdigkeit sehr gut verstanden. Und nat\u00fcrlich gab es zahlreiche andere Aspekte. Das Lustvolle kam aber auch aus einem gro\u00dfen Ausatmen, bevor wieder eingeatmet wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_257\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-257\" class=\"alignnone size-medium wp-image-427\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_red_foto_tanja-brandmayr_colage_beate-rathmayr-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_red_foto_tanja-brandmayr_colage_beate-rathmayr-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_red_foto_tanja-brandmayr_colage_beate-rathmayr-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_red_foto_tanja-brandmayr_colage_beate-rathmayr-250x250.jpg 250w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_red_foto_tanja-brandmayr_colage_beate-rathmayr.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-257\" class=\"wp-caption-text\">Square Objects. Fotos\/Video. Foto: Tanja Brandmayr, Collage: Beate Rathmayr<\/p><\/div>\n<p><em><strong>6 Referenzen aus der Kunst.<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>Generell ist es schwierig, Referenzen zu benennen. Es geht eher um gut angelegte und weit auseinanderdriftende Gegens\u00e4tze. Es ist immer ein gleichzeitiges Ja und Nein sagen in diesem Ballett. Es wurde im herk\u00f6mmlichen Sinn auch gar nichts direkt umgesetzt. Wir wollten ja von vorne herein keine klassischen Umsetzungen von irgendetwas machen, eines performativen Tanzst\u00fcckes etwa, auch keine Sichtbarmachungen von uns als einzelne Individuen. Stattdessen sind und waren das alles sozusagen nur permanente Ann\u00e4herungsversuche. Auch an Umst\u00e4nde, in denen wir leben und die wir nur zu gut kennen. Dieses Sichtbarmachen von uns als Kultur- und Kunstfrauen etwa \u2026 da gab es zuerst eine lose Referenz auf die US-amerikanische K\u00fcnstlerin Carolee Schneemann, die festgestellt hat, dass sie, in den 1960er Jahren, im Gegensatz zu den gro\u00dfen m\u00e4nnlichen K\u00fcnstlerstars zwar ihre weiblichen Kolleginnen gekannt hat, aber nie gewusst hat, was sie als K\u00fcnstlerinnen eigentlich gemacht hatten. Carolee Schneemann stellte das vor einigen Jahren in einem Interview fest, sie sprach \u00fcber eine Kollegin, sinngem\u00e4\u00df: \u201eI knew her. But I Never Knew, What She Did As An Artist\u201c. Das hat schon was Bitteres. Beim Kulturfrauenballett wurde in einer bestimmten Phase zu Beginn dar\u00fcber \u00f6fters gesprochen. Den Ausspruch habe ich variiert. Zu einer Paraphrase, die einerseits dieses Bed\u00fcrfnis nach Auseinandersetzung und Anerkennung aufgenommen hat, andererseits aber dann bald gehei\u00dfen hat: \u201eI never knew, what she did as a dancer\u201c. Das war eine ganz freie Assoziation, denn das Kulturfrauenballett hat mit Carolee Schneemann wahrscheinlich direkt recht wenig zu tun. Die Paraphrase war aber insofern wichtig, weil es uns ein Thema als Gruppe beschert hat, das diesem paradoxen Setting noch eines draufgesetzt hat: Insofern, als dass es in unserem Setting von nicht-T\u00e4nzerinnen es ja zuerst, auf sich selbst bezogen, hei\u00dfen m\u00fcsste: \u201eI never knew, what I did as a dancer\u201c. Und ehrlich gesagt vielleicht sogar: Ich wei\u00df \u00fcberhaupt nicht, was ich tue. Nicht einmal nur als T\u00e4nzerin. Vielleicht hat die Auseinandersetzung mit dieser Thematik aber andere emanzipative Momente aufgenommen, zumindest ist so die Behauptung und die Hypothese: Dass sich die Dinge transformieren. Vielleicht im obigen Sinne dieser Auseinandersetzung mit gro\u00dfen inneren Ansammlungen. Es ist ja im Zusammentreffen von Menschen mitunter schon oft so viel an innerem \u201eMaterial\u201c da, dass man gar nicht mehr wei\u00df, wie man miteinander reden soll. Wo man \u00fcberhaupt beginnt. Man redet dann oft \u00fcber Platzhalterthemen der Kunst, \u00fcber Kulturpolitik oder \u00fcber die eigene \u00dcberarbeitung. Wobei sich innerhalb dieser Zusammenh\u00e4nge nat\u00fcrlich ganz essentielle Fragen stellen. Wir haben hingegen paradoxerweise ganz woanders begonnen, wo sich zuerst niemand sicher und professionell f\u00fchlen darf: mit unserer aufgeschlagenen Leerfl\u00e4che des Dancefloors. Auch da wird unter anderem \u00fcber Kulturpolitik und die eigene \u00dcberarbeitung geredet. Aber auch \u00fcber andere Dinge und Referenzen, die einem sozusagen w\u00e4hrend der Bewegungspraxis einfach eingefallen sind. Es ging dabei insgesamt aber so gar nicht um Selbstdarstellung oder Selbstverwirklichung. Deshalb wurde dann auch, glaube ich, eine eigentliche Sichtbarmachung von K\u00fcnstlerinnenschaft oder Kulturfrauenexistenz als Einzelthema nicht verfolgt. Ich glaube, das hat im Endeffekt als herausgearbeitete eigene Themenstellung nie jemanden interessiert. Sondern es ging vielleicht vielmehr, wieder im doppelten Wortsinn, um einen gemeinsamen Beweggrund. Der findet sich nat\u00fcrlich im Inneren, aber auch materiell wurde er sozusagen sinnbildlich aufgeschlagen: quadratisch an verschiedenen Orten. Und es gab eine neue Bewegung, im buchst\u00e4blich k\u00f6rperlichen Sinn, auch wenn wir die erst zusammen kennengelernt haben. \u00dcberhaupt brachte diese ganze Dancer-Sache das bereits angesprochene paradoxe Moment ein: Klar wussten wir nie, was wir als T\u00e4nzerinnen gemacht hatten, wenn wir nie welche waren. Nat\u00fcrlich kamen dann die Transformation der Ebenen, die Diskussionen ins Spiel, viele Transformationen, sogar diese komplette Symbolik des \u201eTanzens\u201c als Lebensmetapher lie\u00df sich nicht ganz vermeiden \u2013 aber das kann ja in Momenten auch ganz ok sein, warum nicht. Und ganz nebenbei, nochmal auf das Quadrat bezogen: Es kamen auch andere k\u00fcnstlerische Bezugspunkte ins Spiel, als wir uns mit diesem Quadrat besch\u00e4ftigt haben \u2026 Bruce Nauman oder Samuel Beckett. Aber das ist eine andere Geschichte. Und Malevich, das w\u00e4re eigentlich auch noch was.<\/p>\n<div id=\"attachment_257\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-257\" class=\"alignnone size-full wp-image-426\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_main_square_foto_reinhard-winkler.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_main_square_foto_reinhard-winkler.jpg 300w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_main_square_foto_reinhard-winkler-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_main_square_foto_reinhard-winkler-250x250.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-257\" class=\"wp-caption-text\">Performance, Fotos, Video. Foto: Reinhard Winkler, Collage Beate Rathmayr<\/p><\/div>\n<p><em><strong>7 Das gleichzeitige Ja und Nein sagen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Ein Bezugspunkt war f\u00fcr mich, wie schon erw\u00e4hnt, die wilde Auseinandersetzung mit Begriffen wie Kollektive, oder auch Quasiobjekte. Im Prinzip gef\u00e4llt es mir, dass man innerhalb eines Projektes weit auseinanderdriftende Widerspr\u00fcche anlegt. Die sich eventuell gar nicht mehr in eine Synthese f\u00fchren lassen. Vielleicht geht es hier sogar um eine andere Dialektik. Weil wir ja anderes Material haben. Mir f\u00e4llt auf, wie gedanklich angef\u00fcllt dieses Ballett ist &#8211; wie dieses simple quadratische, t\u00e4nzerische Agieren, auch im erweiterten \u00f6ffentlichen Raum, \u00fcberh\u00e4uft ist mit \u00dcberlegungen. Andererseits ist diese Anh\u00e4ufung in jeder Beziehung Realit\u00e4t. Diese jeweils eigene und individuelle Position der vielen Dinge und Zusammenh\u00e4nge, der Referenzen und der s\u00e4mtlichen k\u00f6rperlichen, emotionalen und kognitiven Bezugspunkte und Erfahrungen, die wir mitbringen, und die wiederum eingebettet sind in gr\u00f6\u00dfere Systeme. Auch die Ebene der W\u00fcnsche und Vorstellungen. Im oben genannten Sinne des \u201eIf I Were A Dancer\u201c und dann in Erweiterung: Ich bin zuerst mein eigener kollektiver Zusammenhang, wir begegnen uns in Vielschichtigkeit, auch im Sinne einer pers\u00f6nlichen Ansammlung von Material, das wir von Haus aus dabeihaben. Und wir machen was gemeinsam. Die genauen Umst\u00e4nde und Behauptungen gilt es in ihrer Richtigkeit vorerst gar nicht zu beantworten \u2026 das kann einmal so als Behauptung und auch Gegensatz so bestehen bleiben \u2026 als nicht-rationaler Untergrund oder nicht verarbeitete Aufschichtung von Rationalit\u00e4t, Irrationalit\u00e4t, inneren oder \u00e4u\u00dferen Dingen oder was auch immer \u2013 es gibt ja verschiedene Materialgebilde oder Zusammenh\u00e4nge. Man k\u00f6nnte damit auch sagen, dass wir sogar gleichzeitig ja und nein sagen zur Kunst, zwischen all diesen Systemen und Begriffen, und immerhin sind wir ja auch keine T\u00e4nzerinnen und nun doch welche. Jedenfalls bildeten wir zusammen ein neues Gemeinsames, das die Einzelnen nicht schlucken, sondern ihnen Platz einr\u00e4umen sollte. Man k\u00f6nnte auch sagen, dass es sich hier, in diesem Kulturfrauenballett, auch um ein Kollektiv zur Bekr\u00e4ftigung der Einzelnen handelt. Zumindest ist das einmal so gefallen. Aber wahrscheinlich kann man auch dazu ja und nein sagen. Und es ist sicher keine von allen geteilte Erfahrung. Ist das dann, in einer solchen Offenheit definiert, \u00fcberhaupt noch Kunst? Das alles, diese Komplexit\u00e4t der Widerspr\u00fcche, die ja real vorhanden sind, l\u00e4sst sich vielleicht auch nur mehr mit einem gleichzeitigen \u201eja\u201c und \u201enein\u201c erfassen. Und das ergibt ein spezielles Verh\u00e4ltnis: Also k\u00f6nnte man auch sagen, dass das, was da gemacht wird, Kunst ist und gleichzeitig nicht Kunst. So wie es ja ein Ballett ist und auch nicht. Und so wie ich mich selbst ja dabei, als einzige Professionelle sozusagen, als Choreographin verstehen k\u00f6nnte und wegen der vielen anderen Dinge die ich mache, auch wieder nicht. Jedenfalls geht es auch um Realit\u00e4ten und innerhalb eines klar aufgeschlagenen Professionistinnen-Begriffwerks um einen Wunsch nach einer Kunst, die Freir\u00e4ume aufmachen soll.<\/p>\n<div id=\"attachment_257\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-257\" class=\"alignnone size-medium wp-image-423\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_ausstellung1_foto_tanja-brandmayr-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_ausstellung1_foto_tanja-brandmayr-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_ausstellung1_foto_tanja-brandmayr-400x300.jpg 400w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/kulturfrB_square_ausstellung1_foto_tanja-brandmayr.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-257\" class=\"wp-caption-text\">If I Were A Dancer And I Had A Square. Foto: Tanja Brandmayr<\/p><\/div>\n<p><em><strong>8 Ein Tanzprojekt. Ein Quasiballett. <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Das Ballett ist ein Begriff zur strategischen Offenheit, eine Leerstelle, Leerfl\u00e4che. Nat\u00fcrlich ein ironischer R\u00fcckgriff auf die Geschichte. Ein angestaubter Begriff erlaubt oft gerade wegen seines lachhaften Zusammenhangs mehr Offenheit. Jedenfalls stellt das Pr\u00e4fix \u201equasi\u201c in diesem Zusammenhang des Quasiballetts viele fruchtbare Unsch\u00e4rfen her. Das Quasitanzprojekt, sofern man es so nennen m\u00f6chte, will jedenfalls nichts Bestimmtes sein in einer Welt, die ohnehin so klar bestimmt nicht mehr vorhanden ist. Sofern sie nicht brutal simplifiziert wird, was leider auch gemacht wird. Es macht das Nicht-Deckungsgleiche zum grunds\u00e4tzlichen Prinzip.<\/p>\n<p>Es gibt dabei einen Auseinandersetzungszusammenhang mit theoretischen Referenzpunkten. Trotz des Wissens darum, und noch viel mehr um das Wissen einer theoretischen Herumwilderei, geht es dennoch um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Dingen, die relevant sind. Dinge, die f\u00fcr uns Potential zur Freiheit, Emanzipation, zur Theorie und auch zur pers\u00f6nlichen Erfahrung haben. Und hier im Speziellen liegt ein besonderer Ansatz in der Behauptung \u201eIch bin mein eigenes Kollektiv\u201c \u2013 nicht weil es um Ego und Selbstdarstellung geht, sondern im Gegenteil darum, dass sich Menschen mit s\u00e4mtlichen Erfahrungs- und Wissensebenen begegnen. Dass hier m\u00f6glicherweise \u00fcberhaupteine andere Kommunikation passiert, dass neben dem \u00fcblichen Gerede in wesentlicher Weise die intellekt-, wesen- und dinghaften Ansammlungen miteinander kommunizieren und zusammenwirken. Das Gute ist: Neben diesem ganzen Herumgedenke gab es einen wirklich handfesten Praxisteil, also den Tanz; und eine eigenst\u00e4ndig sich transformierende Umsetzungsebene der bespielten Quadrate \u2013 als gut angelegte Gegenbewegung zu diesen Behauptungen und zu allem M\u00f6glichen. Das Gute ist, dass man sich manchmal intensiv gedanklich mit etwas besch\u00e4ftigt, und dann bringt es praktisch andere Ergebnisse als erwartet, die sich wiederum dann wieder anders \u00fcberpr\u00fcfen und einspeisen lassen \u2013 das ist quasi Theoriehypothese im guten Sinn. Und auch ein spannendes Projekt, das sich aus sich selbst heraus und mehrfach transformiert hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Text von Tanja Brandmayr, geschrieben im Herbst 2015 bis Sommer 2016.<\/p>\n<p>Kulturfrauenballett, Teil 2 &#8211; Ein Projekt von Tanja Brandmayr und Kunstraum Goethestrasse xtd.<\/p>\n<p>Fotografische und filmische Begleitung: Reinhard Winkler und Julian P\u00f6schl \/ dorfTV<br \/>\nFotocollagen: Beate Rathmayr<\/p>\n<p>Alle Teilnehmerinnen des Kulturfrauenballetts, Teil 2, Tanzpraxis und Quadrat-Inszenierung: Suna Arslan, Renate Billlensteiner, Susanne Blaimschein, Katharina Brandl, Claudia Czimek, Claudia Dworschak, Sabine Funk, Wiltrud Hackl, Sonja Meller, Beate Rathmayr, Heidemarie Sauer, Getraud Sobotka, Betty Wimmer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zuvor &#8211; Teil I des Kulturfrauenballetts:<\/strong><\/p>\n<p><em><span lang=\"de-AT\">Kulturfrauenballett, Teil I <\/span> <strong>&#8222;If I Were A Dancer, Then \u2026&#8220;<\/strong>, Kunstraum Goethestrasse xtd. <strong>Tanzpraxis, Recherche, <\/strong><span lang=\"de-AT\">Fotos, Video, Installation,<\/span><b> <\/b><strong><span lang=\"de-AT\">2013<\/span><\/strong><strong>.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-260\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/If-I-Were-A-Dancer_cTanja-Brandmayr-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/If-I-Were-A-Dancer_cTanja-Brandmayr-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/If-I-Were-A-Dancer_cTanja-Brandmayr-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/If-I-Were-A-Dancer_cTanja-Brandmayr-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/If-I-Were-A-Dancer_cTanja-Brandmayr-800x533.jpg 800w, https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/If-I-Were-A-Dancer_cTanja-Brandmayr.jpg 1800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Teil I des Kulturfrauenballetts, Text: <span style=\"color: #000080;\"><span lang=\"zxx\"><u><a class=\"western\" href=\"http:\/\/brandjung.servus.at\/content\/kulturfrauenballett-teil-1\">http:\/\/brandjung.servus.at\/content\/kulturfrauenballett-teil-1<\/a><\/u><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kurzversion des Ausstellungsvideos (Ausstellungsvideo nicht online):<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.dorftv.at\/embed\/8144\" width=\"560\" height=\"340\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Kamera: Claudia Dworschak, Beate Rathmayr<br \/>\nVideoschnitt: Claudia Dworschak (mit Tanja Brandmayr)<\/p>\n<p>Mehr \u00fcber Quasikunst auf dieser <a href=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/about-quasi\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Intro-Seite<\/a> und im <a href=\"https:\/\/newcontext.stwst.at\/projects:quasikunst\/start\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stadtwerkstatt-Kontext<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;If I Were A Dancer And I Had A Square&#8220;, Kulturfrauenballett, Teil 2, ein Projekt von Tanja Brandmayr in Kooperation mit Kunstraum Goethestrasse xtd., 2016. Fotos, Videos, Tanzpraxis, Recherche und performative Inszenierung. W\u00e4hrend der verschiedenen Projektphasen und vor allem auch in der anschlie\u00dfenden Reflexion ist dieser Text entstanden, der besonders in seinem erweiterten Material- und Kollektivverst\u00e4ndnis auf den Quasikunst-Begriff referiert. If I Were A Dancer And I Had A Square<\/p>\n<p><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/kulturfrauen\/\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":259,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-314","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/314","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=314"}],"version-history":[{"count":30,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/314\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":808,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/314\/revisions\/808"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/259"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=314"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}