{"id":154,"date":"2017-02-01T19:41:58","date_gmt":"2017-02-01T18:41:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.quasikunst.at\/?page_id=154"},"modified":"2019-03-16T19:03:23","modified_gmt":"2019-03-16T18:03:23","slug":"der-fruehling-bringt-maschinentriebe","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/der-fruehling-bringt-maschinentriebe\/","title":{"rendered":"Der Fr\u00fchling bringt Maschinentriebe"},"content":{"rendered":"\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-154 gallery-columns-2 gallery-size-medium'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/efeu_foto1.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"167\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/efeu_foto1.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-155\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-155'>\n\t\t\t\t\u201eEfeu Ex\u201c, Fassadeninstallation, Stadtwerkstatt-Projekt, 2015.\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/efeu_foto2b.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"167\" src=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/efeu_foto2b.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p><b>An der Stadtwerkstatt-Fassade \u00fcberlagern sich Natur und Maschine. Tanja Brandmayr schreibt \u00fcber die Fassadeninstallation \u00bbEfeu Ex\u00ab, die im April 2015 er\u00f6ffnet wurde \u2013 zwischen Handwerk, Technologieentwicklung, neuen Trieben und Quasikunstmodus. Textliche Reflexion des Stadtwerkstatt-Projekts &#8222;Efeu EX&#8220; als Quasikunst. <\/b><\/p>\n<p><strong>Der Fr\u00fchling bringt Maschinentriebe<\/strong><\/p>\n<p>Die Gestaltung der Fassade des Hauses Stadtwerkstatt hat Tradition. War das in den 80ern ein Sgraffito, das das alte Haus sozusagen mit Kunst vor dem Abriss sch\u00fctzen sollte, greift seit einigen Jahren ein gewisser Pflanzenwildwuchs um sich, der die engeren Gefilde der Kunst verlassen und sowohl die Fassade als auch Teile der Innenr\u00e4ume der Stadtwerkstatt, genauer gesagt auch das Cafe Strom, erfasst hat. Seit Ende letzten Jahres wurde zudem begonnen, in die Fassade und deren \u00d6kologie \u00bbTechnik\u00ab einzuarbeiten und den Pflanzen einen Kontrapunkt entgegen zu stellen. Es wurde einerseits schlichtweg zu missverst\u00e4ndlich, die schicke Welle <em>urban gardening<\/em> auf einer Ebene der kreativen Bepflanzungsideen zu bedienen. Andererseits, und das ist der wesentlichere Faktor, greift die Absicht, die beiden Pole Natur und technologische Entwicklung zu thematisieren, auf eine bereits \u00e4ltere Idee zur\u00fcck, die sich ebenfalls an der Fassade bereits einmal offenbart hat: So stand schon in den 90ern die Idee auf dem Plan, die Fassade mit auswachsender Technik zu bespielen, sozusagen einen neuen Ewigkeitscharakter dieses anderen Wachsens zu behaupten. Und sinnbildlich daf\u00fcr stand auch schon damals der Efeu mit seinem Namen Pate, als Pflanze, die mit z\u00e4her Haltbarkeit und immer neuen Trieben durchaus Assoziationen zu etwas wie Ewigkeit erweckt. Dazu ein kleiner Exkurs zum Efeu: \u00bbHedera helix kann f\u00fcnfhundert Jahre alt werden und ist ein immergr\u00fcnes Gew\u00e4chs, das in der vollen Sonne ebenso wie im Schatten gedeiht. Er bildet eine dichte Bodendecke oder klettert mit Haftwurzeln an W\u00e4nden oder B\u00e4umen empor, dazu braucht er keine St\u00fctze oder Hilfe. Efeu ist aber kein \u203aW\u00fcrger\u2039, der die B\u00e4ume umbringt. Das Trinken aus einem Efeuholzbecher sollte den Keuchhusten lindern, seine Beeren galten als Heilmittel gegen die Pest. Auch bei Wahnsinn hilft er: Man f\u00fclle einen gro\u00dfen Topf mit jungen Efeuranken, die noch nicht geklettert sind, und gebe zweieinhalb Liter Wei\u00dfwein dazu. Einige Zeit ziehen lassen, dann gut auspressen. Mit dem Saft die Schl\u00e4fen und die Stirn des Kranken alle zw\u00f6lf Stunden einreiben. Im Volksbrauch ist Efeu das Symbol f\u00fcr Liebe, Freundschaft, Reichtum und Gl\u00fcck.\u00ab[1] Der urspr\u00fcnglich angedachte technische Tr\u00e4ger dieses gl\u00fcckhaft ewigen Anwachsens von Lampen und diversen Steuerungsmechanismen an der fr\u00fcheren Fassade wurde in den 90ern allerdings zu schnell zu einem digitalen Board an der Fassade, und damit zu einer reinen Ank\u00fcndigungslaufschrift f\u00fcr Veranstaltungen. Bis eben vor wenigen Jahren die Umgestaltung durch Wildwuchs begann: Die alte Idee wurde aufgegriffen, es wurde begr\u00fcnt, die Reste der damaligen Umsetzung wurden zweckentfremdet. Letztes Jahr wurde dann an der Technologieentwicklung inmitten des Gr\u00fcns weitergedacht und neu gebaut \u2013 mit dem Startmaterial \u00bbpneumatisches Sperrrad\u00ab. Aktuell ziert die Fassade ein Zusammenspiel aus Pflanzen und mechanisch-pneumatischer Maschine namens \u00bbEfeu Ex\u00ab: \u00dcber vier Antriebsr\u00e4der, die sich in unterschiedlicher Geschwindigkeit drehen und auf denen die W\u00f6rter SERVUS, FRO, STWST, STROM zu lesen sind, wird eine Feder transportiert, die sich an manchen Stellen zusammenzieht und gleichzeitig an anderen Stellen dehnt. Der Anpressdruck und auch der schrittweise Transport der Feder erfolgt \u00fcber Pneumatikzylinder. Die Maschine bl\u00e4st, scheint zu scheppern und dreht die miteinander verbundene Mechanik, zurzeit in st\u00fcndlichem Tschinderassassa zwischen 14 und 20 Uhr. Demn\u00e4chst wird sie mit einem M\u00fcnzeinwurf versehen, mit dessen Geldf\u00fctterung die Fassade zum Leben erweckt werden kann. Dieses organisch-pneumatische Pflanzen- und Maschinenzusammenleben soll au\u00dferdem weiterentwickelt werden. Es k\u00f6nnte entsprechend weiter wachsen, sich ver\u00e4ndern, und bei entsprechender Entwicklung einige k\u00f6stliche Kunstst\u00fcckchen vollf\u00fchren, zu denen wir gleich kommen werden.<\/p>\n<p>Im Winter dieses Jahres versammelte sich bei der inoffiziellen Er\u00f6ffnung ein gr\u00f6\u00dferes Gr\u00fcppchen Leute, das sich am unterschiedlichen Dasein von Pflanzen und Maschine an der Hauswand erfreute, und an einer \u00bbSteampunk\u00ab-\u00c4sthetik, die so etwas wie zirkushaftes Retrozukunfts-Technikleben verspr\u00fcht: Man hat das fr\u00f6hliche Gef\u00fchl, dass man im Gegensatz zu anderer Technik diese Mechanik verstehen kann \u2013 und vor allem auch deren Attraktionen und Sensationen. Denn erfreulicherweise zeigt sich der ge\u00f6lte (oder pneumatisch atmende) Bauch der Maschine in all seiner Pracht an der Hauswand selbst \u2013 einstweilen noch in r\u00e4tselhafter Koexistenz und in noch ungekl\u00e4rtem Verh\u00e4ltnis zur Pflanzenpopulation. Ich erfahre staunend, dass diese pneumatische Maschine, in Zukunft, ins Cafe Strom hineingezogen, einmal eine Raumkr\u00fcmmungsmaschine und damit Parallelwelt-Partyzone im Zeitloch werden k\u00f6nnte: Nach dem Rausch mit garantiertem Vergessen. Eine kleine, aber feine gedankliche Neuinterpretation der alten Stadtwerkstattidee des \u00dcbergreifens von Kunst, Leben, Initiative, Natur, Technologie, Transformation und Party \u2013 auch inklusive menschlichem Treiben und menschlicher Triebe. Insgesamt im Fr\u00fchling also, in planerischem Wildwuchs, neue Triebe von Vergangenheit und Zukunft. Im Vergleich zur Raumkr\u00fcmmung zwar ein kleinerer Nebenaspekt, aber wesentlich f\u00fcr den Entstehungsprozess des Fassadenwerks ist au\u00dferdem der Umstand, dass eine Autorenschaft, sprich der Einzelnachweis von Idee, Auftrag und Ausf\u00fchrung relativ unerheblich ist: Generell in skeptischer Distanz zur hohen Kunst, vielmehr in begrifflicher und auch kollektiver Offenheit, haben hier auf Initiative der Stadtwerkstatt und mit der Stadtwerkstatt Markus Luger, Stefan F\u00fcreder und Marc Schr\u00f6gendorfer gemeinsam gearbeitet. \u00d6kologie und technologische Entwicklung, Planung und Wildwuchs gingen jedenfalls bereits mit dieser inoffiziellen Er\u00f6ffnung ein komplexes B\u00fcndnis ein. Und zwischen den recht abgelaberten Begriffen Natur und Technik legt diese Maschine vielleicht ein lustigeres und charakteristischeres, wenn auch noch unbekanntes Sinnversprechen f\u00fcr die Zukunft ab, als wir das sonst in diesen Zusammenh\u00e4ngen immer serviert bekommen.<\/p>\n<p>An dieser Stelle ist es wichtig, die Begriffe Wildwuchs und Planung im Kontext der Stadtwerkstatt zu betrachten. Insgesamt scheint es sich beim vorgestellten Efeu Ex um ein anvisiertes organisches Projektwachstum zwischen Natur und Technologiemaschine zu handeln, das seinen Freiraum daraus bezieht, in sich m\u00f6glichst gro\u00dfe Gegens\u00e4tze anzulegen und damit weitl\u00e4ufige Gedankenans\u00e4tze abzustecken. Das bezieht sich auf die Pole Bepflanzung und Technik einerseits. Dazu sei zuerst ein anderes Projekt an der Donaul\u00e4nde herangezogen, das Natur als erweiterte Pflanzenmechanik definiert: So begann Hans Polterauer Weidenskulpturen zu entwickeln, die er 2015 als Weidenknotenprojekt weiterf\u00fchren wird. Polterauer baut seit Jahrzehnten elektromechanische Maschinen und bezieht in den letzten Jahren immer mehr die Natur in seine Objekte mit ein. Er betrachtet Pflanzen als elektrochemische Maschinen, die er durch Ver\u00e4nderung der Umwelt beeinflussen kann: Der Begriff der Natur ist also in Richtung Technologie er\u00f6ffnet. Andererseits, sozusagen in einer anderen Erweiterung, spielen \u00d6kologie und Technologie an der Fassade aber undurchsichtiger zusammen. Denn zuerst einmal stehen die Pole Natur und Technik in friedlichem, aber unvereintem Gegensatz und in Koexistenz zueinander. Die Gegens\u00e4tze differenzieren sich aber sogleich weiter aus: Die unaufgel\u00f6ste These und Antithese des ganzen Fassadengebildes \u2013 es ist Natur \/ es ist nicht nur Natur \/ es ist Technik \/ es ist keine Technologie \/ es ist mechanisch \/ und doch wieder organisch \/ es ist Fassadenoberfl\u00e4che \/ gleichzeitig Maschinenbauch \/ es scheppert nur \/ es atmet aber \/ und koexistiert \/ spielt auch zusammen \/ generell ist es geplant \/ w\u00e4hrend es letzten Endes von selbst w\u00e4chst \u2013 dieses ganze fortlaufende Hinausschieben einer Behauptung, w\u00e4hrend gleichzeitig immer auch ein Gegenteil davon behauptet ist, scheint in immer neue Aufschichtungen von ja und nein, und damit in immer neue Fluchtpunkte zu f\u00fchren. Wo anderswo gern am Anfang und Ende der Weisheit die Vermutung steht, dass es Kunst sein m\u00fcsse, wenn es sonst schon nichts sein will, wird hier das Spiel mit dem diskrepanten Ja-nein-Gegensatz in eine Synthese der anderen Art \u00fcberf\u00fchrt: in einen Quasikunstmodus, der in den gleichberechtigt \u00fcberlagerten Zustand von \u00bbEs ist Kunst \/ es ist keine Kunst\u00ab ein unvorhersehbares Quantum unbestimmbarer Offenheit einf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Mit der offenen Kontextbildung, die gegenw\u00e4rtig in der internationalen Kunstszene Laboratorien in allen Facetten meint, sowie den Umstand, dass nicht nur Umsetzung, sogar Ideenfindung und Arbeiten selbst zur Kunst wird, klinkt sich die Stadtwerkstatt hier gut ein. In diesem Sinne steht der, auch im Kontext der Stadtwerkstatt veranschlagte Arbeitsbegriff \u00bbQuasikunst\u00ab auch f\u00fcr Belange, die Dinge, die Objekte, die Absichten, die im Dunklen der nicht mehr verhandelten Bereiche der rationalen Welt und ihrer auswuchernden Netzwerke liegen, neu anzusehen und damit neue M\u00f6glichkeiten zu bieten. Der Stadtwerkstatt-Gibling etwa als autonomes Zahlungsmittel zwischen Kunstw\u00e4hrung und W\u00e4hrungskunst war und ist etwa so ein Projekt.[2] Als deklariertes Quasi-Kunstobjekt, sozusagen als k\u00fcnstlerisches Quasiobjekt der vielschichtigen Zusammenh\u00e4nge, zeigt auch dieses Geldprojekt zwar ein \u00c4hnliches, aber trotzdem nicht ganz Deckungs-gleiches an, es sucht Verbindungen zwischen Kunst, Natur und Wissenschaft, sowie es blinde Flecken erahnbar macht, die zus\u00e4tzlich durch Mechanismen des allseits recht popul\u00e4r gewordenen permanenten \u00bbBeleuchtens\u00ab und \u00bbSichtbarmachens\u00ab zus\u00e4tzlich in den Schatten r\u00fccken. Damit, und auch mit dem neuen Fassadenprojekt, er\u00f6ffnet die Stadtwerkstatt aber auch eine andere Strategie, die traditionell ohnehin nicht das Funktionieren von Objekten, auch nicht das Funktionieren als Kunstobjekte in den Mittelpunkt stellt, sondern das Thematisieren von Objekten und Zusammenh\u00e4ngen selbst, die ziemlich kontr\u00e4r ausschlagen: In gewisser Weise handelt es sich, wie oben bereits genannt, hier auch um einen Modus der Betrachtung, wo es um kontr\u00e4re Aufschichtungen von Gegens\u00e4tzen und Fragestellungen geht: was ist es \/ was ist es nicht \/ was kann aus einer \u00dcberlagerung werden, die m\u00f6glichst undefiniert den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Gegensatz selbst thematisiert und den Dingen dazwischen ihre oszillierende Offenheit zur\u00fcckgibt.<\/p>\n<p>Ein raffinierter Schachzug gegen verengende Eindeutigkeiten ist, im Zusammenhang mit der Fassade, dass anstelle des Begriffs Kunst \u00fcberhaupt das \u00bbHandwerk\u00ab gesetzt wurde, so Franz Xaver von der Stadtwerk-statt, also eine neue Dichotomie \u00e0 la: Es ist keine Kunst \/ es ist lieber Handwerk. Will man dem folgen, tritt bei \u00bbEfeu Ex\u00ab das Handwerk anstelle von Natur, Technologie und anstelle der Kunst. Es handelt sich also um eine weitl\u00e4ufige Rochade, es werden gro\u00dfz\u00fcgig Begriffe verschoben, ausgetauscht, beziehungsweise scheint es, als ob etwas hinzugef\u00fcgt werden soll, das sich der direkten Deutung entziehen will. Dazwischen pfeift und quietscht es im vertikalen Gr\u00fcn und wenn es nicht gar so abgeschmackt w\u00e4re, k\u00f6nnte man meinen, dass hier, einmal mehr, Kunst so gar nicht von K\u00f6nnen kommt: Denn interessanterweise wird gleich der ganze K\u00f6nnen-K\u00fcbel ausgesch\u00fcttet, denn \u00bbdas Handwerk kommt hier auch nicht von K\u00f6nnen\u00ab, so Franz Xaver, eher handele sich um ein \u00bbBasteln\u00ab. Ich meine, dass das in einem Sinne verstanden werden kann, der das Basteln gegen das K\u00f6nnerische, das Beherrschen von etwas setzt und sich damit lieber auf eine Suche nach Assoziation, Material und gleichberechtigten kollaborativen Zusammenh\u00e4ngen macht \u2013 und Menschen und Dingen wieder ihren Platz gibt. Und auch etwas wie machen und spielen meint. Denn letzten Endes geht es in der Kunst, auch in der Quasikunst, um Freiheit, die sich, wenn n\u00f6tig pflanzlich schattenhaft, losgel\u00f6st vom mechanischen Getriebe im Dazwischen breit machen kann.<\/p>\n<p>Am Schluss noch eine h\u00f6chstpers\u00f6nliche Assoziation, ein Zufallstreffer, den ich in Form eines Zitats gefunden habe: \u00bbIn fr\u00fcheren Zeiten der Kunst \/ Bearbeiteten Handwerker mit gr\u00f6\u00dfter Sorgfalt \/ jeden kleinsten und unsichtbaren Teil, \/ Denn die G\u00f6tter sind \u00fcberall\u00ab \u2026 dieses Verszitat finde ich bei einer beil\u00e4ufigen Lekt\u00fcre in Harry G. Frankfurts kurzer Streitschrift \u00bbBullshit\u00ab. Es stammt vom amerikanischen Dichter Longfellow und steht f\u00fcr handwerkerisch genaues und gewissenhaftes Arbeiten selbst an Teilen, die nicht im Endergebnis einer Arbeit sichtbar sind.[3] Und meint damit wohl etwas, das jenseits von Achtlosigkeit und Oberfl\u00e4che angesiedelt ist. Dass damit das Handwerk immer schon goldenen Boden hatte, w\u00e4re ein recht langweiliger und zu offensichtlicher Schluss: Vielversprechender scheint der gr\u00f6\u00dfere inhaltliche Zusammenhang, den der Philosoph Frankfurt gegen den \u00bbBullshit\u00ab auff\u00e4hrt: Er pl\u00e4diert insofern f\u00fcr dieses Handwerk der alten Tage, als dass er es gegen einen Bullshit stellt, der als oberfl\u00e4chlicher Pseudosinnzusammenhang unserer Tage jenseits von Wahrheit, aber auch jenseits von L\u00fcge nur mehr dem Selbstnutzen von Bullshittern gen\u00fcgt. Und dort, wo eben einst im Verborgenen die G\u00f6tter \u00fcber die Sorgfalt gewacht haben, liegt allgegenw\u00e4rtig dieser dumpfe Selbstzweckzusammenhang unter den Oberfl\u00e4chen verschleiert und verborgen im Dunklen. Ich meine, dass in diesem Sinne das Bekenntnis zum Bild des Handwerks legitim ist: Denn auch die Kunst produziert in Zeiten des kreativen Imperativs viele sch\u00f6ne glattpolierte Oberfl\u00e4chen mit zweifelhaftem oder gar keinem Unterboden. Quasikunst sozusagen auch als autonome (Hand)Werksvariante und das Gegenteil von Bullshit. Oder schlichtweg auch die ausgedachte Partyzone der Zukunft als legitimer Fluchtpunkt: Wer sagt eigentlich, dass sich der Raum nicht schon bei der Er\u00f6ffnung kr\u00fcmmen wird, wenn Pflanzen, Maschine und Menschen miteinander zu sprechen beginnen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Efeu Ex wurde am 1. April, um 19 Uhr vor der Stadtwerkstatt er\u00f6ffnet.<\/strong><\/p>\n<p>[1]\u00a0 Zitiert aus dem Blog von Schr\u00f6der und Kalender, <span style=\"color: #000080;\"><span lang=\"zxx\"><u><a class=\"western\" href=\"http:\/\/blogs.taz.de\/schroederkalender\/bio\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/blogs.taz.de\/schroederkalender\/bio\/<\/a><\/u><\/span><\/span><br \/>\n[2] Versorgerin #103, <span style=\"color: #000080;\"><span lang=\"zxx\"><u><a class=\"western\" href=\"http:\/\/versorgerin.stwst.at\/artikel\/aug-23-2014-2213\/das-geld-die-kunst-und-der-gibling\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/versorgerin.stwst.at\/artikel\/aug-23-2014-2213\/das-geld-die-kunst-und-der-gibling<\/a><\/u><\/span><\/span><br \/>\n[3] Harry G. Frankfurt, suhrkamp taschenbuch, 2006, schreibt in seinem B\u00fcchlein \u00bbBullshit\u00ab auf Seite 18, dass dieser Vers einst, laut eigener Aussage, Wittgenstein als Motto h\u00e4tte dienen k\u00f6nnen: Das wiederum berichtet Norman Malcolm in seiner Einleitung zu Rush Rhees (HG \u00bbRecollection of Wittgenstein\u00ab, Oxford 1984, dt. \u00bbLudwig Wittgenstein, Portr\u00e4ts und Gespr\u00e4che\u00ab, Frankfurt am Main, 1987, S 13<\/p>\n<p>Mehr \u00fcber Quasikunst auf dieser <a href=\"https:\/\/www.quasikunst.at\/index.php\/about-quasi\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Intro-Seite<\/a> und im <a href=\"https:\/\/newcontext.stwst.at\/projects\/quasikunst\/start\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stadtwerkstatt-Kontext<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Stadtwerkstatt-Fassade \u00fcberlagern sich Natur und Maschine. Tanja Brandmayr schreibt \u00fcber die Fassadeninstallation \u00bbEfeu Ex\u00ab, die im April 2015 er\u00f6ffnet wurde \u2013 zwischen Handwerk, Technologieentwicklung, neuen Trieben und Quasikunstmodus. Textliche Reflexion des Stadtwerkstatt-Projekts &#8222;Efeu EX&#8220; als Quasikunst. Der Fr\u00fchling bringt Maschinentriebe Die Gestaltung der Fassade des Hauses Stadtwerkstatt hat Tradition. 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